Autor: rk

Matterhorn Flug

Rundflug in den Walliser Alpen
Umgeben von 40 über 4000 Meter hohen Bergen, sind die Walliser Täler vom Rest der Welt ziemlich abgeschirmt - zumindest was anrückende Wetterfronten betrifft. Über 300 Sonnentage im Jahr und das Zentralwallis als niederschlagsärmste Region Mitteleuropas sprechen für sich. Nebel kennt man hier kaum, und für die Flieger heisst das meist VMC. Nicht umsonst hat die Luftwaffe hier einst vier Flugplätze, fast in Sichtweite voneinander – zumindest aus dem Cockpit – eingerichtet.
In der Ferne sieht man bereits das Matterhorn. (Foto: F. J. Lepple)
Ein aktuelles Wetterbriefing ist beim Fliegen in den Bergen besonders wichtig. Die Winde können sich kanalisieren und dadurch lokal sehr stark werden. Da im Gebirge generell in grösserer Höhe geflogen wird, gerät das Flugzeug in der dünneren Luft eher an seine Leistungsgrenze und kann Probleme mit auftretenden Abwinden bekommen. Es ist also auch die Density Altitude zu beachten, die aber nicht nur von der Platzhöhe, sondern auch von der Temperatur abhängt: kühle Luft kann den höhenbedingten Leistungsverlust, zumindest zum Teil, kompensieren. Es empfiehlt sich in den Bergen also, früh am Morgen zu starten und dies nicht nur wegen der niedrigeren Temperatur, sondern auch weil dann noch keine starke Sonneneinstrahlung thermische Winde erzeugt – die Luftmasse ist morgens ruhiger.

Wir starten heute vom 2090 Fuss hoch gelegenen ehemaligen Militärflugplatz Raron (LSTA) zu einem Alpenrundflug. Das Flugzeug: ein Robin DR 48 Remorqueur mit 180 PS Lycoming Vierzylinder Vergasermotor O360A und Hoffmann Vierblatt-Steigpropeller.
Aus Lärmschutzgründen, das Dorf Raron liegt recht nah am westlichen Pistenende, wird auch bei leichtem Westwind in Ostrichtung gestartet, damit die Wohnsiedlung nicht überflogen werden muss. Nach dem Abheben
führt die Volte an die südliche Talseite. Mit gut 80 Knoten, der Geschwindigkeit für bestes Steigen, führt der Flugweg an Visp vorbei. Von hier oben erkennt man die enorme Ausdehnung der Lonza-Werke, die etwa die Hälfte des überbauten Stadtareals einnimmt. Wie vom Meteo versprochen, ist die Luft sehr ruhig. Die aus den Industrieschloten senkrecht hochsteigenden Dampfwolken sind für den Piloten besser als jeder Windsack. Die Maschine fliegt wie auf Schienen.
Über Norditalien liegt eine Stratusbewölkung (Foto: F. J. Lepple)
Entlang des sanft ansteigenden Rhônetals gewinnen wir auf nordöstlichem Kurs an Höhe.
Linker Hand ziehen die, auf einer Sonnenterrasse am Südhang gelegenen, Touristenorte Belalp und Riederalp vorbei. Geradeaus fällt der Blick bis ans obere Talende, wo neben dem Grimselpass der Rhônegletscher und der 3600m hohe Dammastock gleissen. Über Fiesch rufen wir die Frequenz des Militärflugplatzes Münster. Eine automatische Funkdurchsage teilt die
Nichtaktivität der LS-D9 mit. Links vor uns ragt die mächtige, schneebedeckte Felspyramide des Finsteraarhorns (4274m) unverkennbar auf. Inzwischen haben wir auch genügend Höhe, um nach Nord ins Fieschertal abzudrehen und über den, in einem Bergeinschnitt gelegenen, Märjelensee und vorbei am Fieschergletscher direkt zum Aletschgletscher zu gelangen. In dieser, zum Weltkulturerbe ernannten Region bietet sich eine herrliche Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mit verstärkter Luftraumbeobachtung -hier gibt es meist noch andere Sightseeing-Flieger- geht es nun über der riesigen, von bläulich schimmernden Spalten durchzogenen, Gletschereisfläche, vorbei am Aletschwald in südwestliche Richtung. Der Höhenmesser zeigt 9000 Fuss. Im leichten Reisesteigflug leanen wir etwas unter Beobachtung der Abgastemperaturanzeige, damit das Benzin-Luftgemisch in dieser Höhe nicht zu fett wird.
Hochnebeldecke über dem Tessin
Die umgebende weisse Gipfelwelt wird bei der herrlichen Fernsicht und zunehmender Höhe immer beeindruckender. Der Gipfelstock des Matterhorns ragt markant und solitär über den Horizont. Links unten bleibt der vom Monte Leone überragte Simplonpass zurück. Am Ende des Saastals leuchtet der Mattmarkstausee, die grandiose Mischabelgruppe mit dem 4545m hohen Dom ragt rechts von uns auf. Südlich des Alpenkamms liegt eine Hochnebeldecke über dem Tessin. Jetzt sind wir über Saas-Fee auf 13500 Fuss und wagen den Übergang ins Mattertal. Nicht an allen Tagen reicht die Motorleistung für eine solche Überquerung. Die OAT (Outside Air Temperature) liegt bei minus 6 Grad, ein Grund für die gute Steigleistung. Mit der nötigen Sicherheitshöhe von 500 Fuss fliegen wir den im Sattel zwischen Monterosa (4634m) und Rimpfischorn gelegenen Schneekamm schräg an.

Die Luft ist ruhig, die befürchteten Turbulenzen und Abwinde bleiben aus. Unter uns ist reger Betrieb auf den Skipisten am Breithorn und Gornergrat. Direkt vor uns das imposante Matterhorn, herrschaftlich und furchteinflössend. Ein kurzer Ruf auf 124.925, und der freundliche Controller von Milano-Information erlaubt uns die Umrundung des Matterhorngipfels. Auf der Südseite des Berges ist ja schon italienisches Hoheitsgebiet. Der Aufenthalt in Höhen über 10.000 Fuss ohne Sauerstoffzufuhr sollte 30 Minuten nicht überschreiten. Deshalb leiten wir jetzt den Sinkflug ein. Gemischhebel auf rich, Drehzahl auf 2000, also immer mit etwas Gas, um shockcooling des Motors zu vermeiden.
Im Final auf die Piste 28 in Raron
In nördlicher Richtung folgen wir dem Mattertal. Zermatt bleibt unter uns zurück, links ragt die mächtige Schneewand des Weisshorns(4506), vorbei geht es an den Geröllmassen des Felssturzes von Randa. In der Ferne leuchten nun schon die Industrieanlagen von Visp im Sonnenlicht.
Wenig später checken wir im Überflug den Windsack
in Raron: schlaff hängt er an seinem Mast. Der Anflug auf die Piste 28 ist problemlos. Mit kurzem Quietschen setzt das Fahrwerk sanft auf, ausrollen, backtrack, runway vacated, shut down und Haube auf. Erfüllt und zufrieden betrachten wir noch mal die in der Sonne glitzernden Schneegipfel der Walliser Bergwelt.

Autor: F.J.Lepple

Foto Impressionen
Matterhorngipfel & Robin Cockpit
Südwand des Matterhorngipfels -italienische Seite
Zermatt
Bietschhorn

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