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Weser-Flugzeugbau We 271

Weser-Flugzeugbau We 271
Adolf Rohrbach, einer der bekanntesten deutschen Flugzeugkonstrukteure und Pioniere des Metallflugzeugbaus, beschäftigte sich seit den zwanziger Jahren, damals noch in der eigenen Firma Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH in Berlin, mit der Entwicklung eines Ganzmetalltragflügels, der aus mehreren Sektionen bestand. Ein Kastenholm bildete das Kernstück, der sich durch Anfügen weiterer Elemente verlängern ließ und gleichzeitig einen Teil der Außenhaut bildete. An den Kastenholm wurden dann abnehmbare Nasen- und Endkästen angebaut. Nachdem Rohrbach von der Richtigkeit dieser Idee überzeugt war, musste ihre Festigkeit an einem Erprobungsträger bewiesen werden. Nachdem seine Unternehmung in der Weltwirtschaftskrise 1931 den Geschäftsbetrieb einstellen musste, übernahm er nach der Gründung der Weser-Flugzeugbau GmbH in Bremen am 1. April 1934 deren technische Leitung. Unter der ursprünglichen Projektbezeichnung P2130, später P 2131 oder WFG 270, begannen Ende 1937 die Projektierungsarbeiten. Die Maschine, jetzt offiziell We 271 genannt, war ein zweimotoriges Hochdecker-Amphibium in Ganzmetallbauweise. Der zweistufige Bootsrumpf war für vier Personen ausgelegt und verfügte über eine geschlossene, voll verglaste Kabine, die hinter der Propellerebene lag. Der Tragflügel war nach Rohrbachs Idee aufgebaut und verfügte über einen rechteckigen Grundriss und eine gleichbleibende Profildicke. An den Flügelvorderkanten waren die beiden Argus As 10E-8 Reihenmotoren angebaut. Das Leitwerk war auf einem Leitwerksträger über dem Rumpf angebracht und bestand aus einer zum Rumpf abgestrebten Höhenflosse mit zwei rechteckigen Seitenleitwerks-Endscheiben. Die Stützschwimmer waren im Bereich der Triebwerke angeordnet und sowohl gegen den Rumpf als auch gegen die Tragflächen abgestrebt. Gleichzeitig nahmen sie auch das einfach bereifte Hauptfahrwerk auf, das nach dem Einfahren durch wasserdichte Klappen abgedeckt wurde. Das langbeinige Spornrad wurde während des Fluges und bei Wasserlandungen einfach nach oben geklappt. Im Mai 1939 war die We 271 V1 fertiggestellt und erhielt die zivile Kennung D-ORBE. Der Erstflug fand unter der Leitung von Chefpiloten Gerhard Hubrich am 26. Juni 1939 statt. Am gleichen Tag folgten noch vier weitere Flüge. Am 28.Juni 1939 fand der erste Wasserstart statt, dabei stellte man fest, dass der gesamte Bugbereich und die Luftschrauben starkem Spritzwassereinfluss ausgesetzt waren, was zu einem Umbau des Bugs und der Anbringung von Spritzwasserabweisern an Rumpfbug und Stützschimmern führte. Nach mehr als 60 Testflügen absolvierte die Maschine die Mustererprobung und wurde am 1.Mai 1942 von der Erprobungsstelle See in Travemünde übernommen. Über das weitere Schicksal des Flugzeuges gibt es keine Hinweise. All das erlebte Adolf Rohrbach nicht mehr, er verstarb bereits am 6.Juli 1939 im Alter von 50 Jahren.
Weser-Flugzeugbau We 271 (Bild: Archiv Eberhard Kranz)
Technische Daten: Weser-Flugzeugbau We 271
Land: Deutschland
Verwendung: Erprobungsträger
Triebwerk: zwei luftgekühlte Achtzylinder Reihenmotoren Argus As 10 E-8 mit verstellbaren Zweiblatt-Metallpropellern
Startleistung: je 270 PS (199 kW)
Dauerleistung: 210 PS (155 kW) in 3.000 m
Besatzung: 2 Mann
Passagiere: 2
Erstflug: 26. Juni 1939
Spannweite: 15,20 m
Länge: 10,52 m
größte Höhe: 3,33 m
Propellerdurchmesser: 2,40 m
Propellerfläche: 4,52 m²
Spurweite: 4,54 m
Abstand zwischen den Stützschwimmern: 4, 68 m
Flügelfläche: 27,3 m²
V-Form: +3°
Streckung: 8,46
Leermasse: 2.304 kg
Startmasse normal: 2.780 kg
Startmasse maximal: 2.900 kg
Tankinhalt: 440 Liter
Schmierstoff: 38 Liter
Nutzlast: 600 kg
Flächenbelastung: 106,23 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,37 kg/PS (7,29 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Wassernähe: 233 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 266 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 235 km/h
Landegeschwindigkeit: 90 km/h
Gipfelhöhe: 5.365 m
Steigleistung: 4,6 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,7 min
Steigzeit auf 3.000 m: 14,0 min
Reichweite normal: 670 km
Reichweite maximal: 790 km nur mit zwei Mann Besatzung
Flugdauer: 3 h
Text und Technische Daten: Eberhard Kranz

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