Autor: rk

Saab 37 Viggen

Saab Viggen

Saab Viggen

Mit dem System 37 Viggen hat Saab ein Mehrzweckkampfflugzeug geschaffen, das über drei Jahrzehnte das Rückgrat der schwedischen Luftwaffe. Abgelöst wurde der Saab 37 Viggen durch den Saab JAS 39 Gripen.


Entwicklungsgeschichte des Saab Viggen (Donnerkeil)

Der Saab Viggen war ein mustergültig durchgeführtes Flugzeugprogramm. Schweden zeigte den grossen europäischen Flugzeugbaunationen Deutschland, Frankreich und Grossbritannien, wie mit dem Budget eines Kleinstaates ein modernes Kampfflugzeug entwickelt und produziert werden kann. Von der Saab 37 Viggen wurden insgesamt 338 Flugzeuge gebaut, die Maschinen bildeten gut dreissig Jahre das Rückgrat der schwedischen Luftverteidigung. Das System 37 wurde nach dem kalten Krieg rasch durch den modernen und viel kleineren Kampfjet Saab JAS39 Gripen abgelöst.

Saab Viggen musste Draken ersetzen

Als Ersatz für die erfolgreiche Draken stellte sich die schwedische Luftwaffe einen fortschrittlichen Mehrzweckjäger vor, der sich an den amerikanischen Konstruktionen F 105 Thunderchief und F 106 Delta Dart orientierte. Schwedens Luftwaffe stellte in den 1960er Jahren für ihr zukünftiges Kampfflugzeug einen höchst anspruchsvollen Anforderungskatalog auf. So musste der neue Kampfjet Angriffs- und Aufklärungsaufgaben im Tiefflug mit einer Geschwindigkeit von Mach 1 ausführen können. In grossen Höhen musste die neue Maschine den Leistungen des Vorgängers Saab Draken überlegen sein und eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2.0 erreichen. Die Luftwaffe forderte von dem zukünftigen Fighter eine hervorragende Steigleistung und hohe Beschleunigungswerte, damit kurze Reaktionszeiten garantiert werden konnten. Zusätzlich forderte die Luftwaffe Kurzstart- und Landefähigkeiten, um von kurzen Pisten und Strassen operieren zu können. Solche Spezifikationen stellten selbst für Grossmächte eine Herausforderung dar. Ohne grosse Zweifel und politisches Gerangel wurde in den 1960er Jahren der Projektstart beschlossen. Schweden nahm die beträchtlichen Entwicklungsrisiken auf sich und sprach sich für die Beschaffung von 550 Maschinen aus, diese Zahl musste inflationsbedingt auf 300 reduziert werden.

Saab Viggen in unterschiedlichen Varianten

Der Saab Viggen wurde als einstrahliger Deltaflügler mit vorne angebrachten Stützflügeln ausgelegt. Das revolutionäre Konstruktionsprinzip diente als Grundlage für eine Serie unterschiedlicher Varianten. Der erste Prototyp des Viggen absolvierte am 8. Februar 1967 seinen Jungfernflug. 1968 bestellte der schwedische Reichstag 100 Flugzeuge und erteilte eine Option auf weitere 75 Donnerkeile. Ebenfalls im Jahre 1968 erteilte das schwedische Parlament einen Entwicklungsauftrag für einen Viggen für Aufklärungsaufgaben. Damit das Wehrbudget nicht überfordert wurde, unterteilte Schweden das Programm in kleine Etappen. Am Anfang erhielten die Erdkampfversion AJ37 und die zweisitzige Ausbildungsmaschine SK37 Priorität. Im Oktober 1970 rollte die erste Serienmaschine AJ37 von der Produktionsstrasse und bereits im Juli 1971 begann die Auslieferung an die schwedische Luftwaffe. Die Erdkampfversion des Viggen löste in Schweden den veralteten Jagdbomber SAAB A32 Lanson ab. Die primäre Aufgabe des AJ37 war im Hochgeschwindigkeits-Tiefflug Bodenziele anzugreifen, er besass trotzdem die Fähigkeit Abfangeinsätze zu fliegen.

Der Aufklärer SF37

Der Grundvariante folgte der Überlandaufklärer SF37 und der Seeaufklärer SH37. Der Landaufklärer SF37 besitzt an Stelle des Bugradars vier Senkrecht oder Schrägbildkameras für Aufnahmen aus niedrigen Höhen, zwei Senkrechtkameras für Aufnahmen aus grossen Höhen sowie ein Infrarot Zeilenabtaster (IRLS). Im Rumpf ist zusätzlich ein Kameravisier, ein Infrarotsensor sowie Systeme für die elektronische Kriegsführung untergebracht, darin eingeschlossen sind ein Radarwarnempfängers (RWR) und und ein ELINT Datenaufzeichnungsgerät. Beide Typen wurden zusätzlich für die Nachtaufklärung ausgerüstet. Der Seeaufklärer SH37 ist ähnlich aufgebaut wie die landgestützte Version, im Gegensatz dazu besitzt er jedoch ein Bugradar mit einem Bildaufzeichnungsgerät. Zur Selbstverteidigung können beide Flugzeuge an äusseren Flügelstationen zwei Luft-Luft-Lenkwaffen vom Typ Sidewinder mitführen. Für Angriffsaufgaben können unter Verzicht auf ELOKa-Behälter oder Zusatztanks Luft-Boden-Waffen oder Seezielflugkörper angehängt werden. Der SF-37 startete am 21. Mai 1973 zum Jungfernflug und konnte im April 1977 bei der Luftwaffe eingeführt werden. Der SH-37 absolvierte den Erstflug am 10. Dezember 1973 und wurde im Juni 1975 eingeführt. Die Produktion der ersten Generation des Viggen ging 1980 nach 180 Einheiten zu Ende.

Jakt Viggen JA37

Aus den Spezifikationen für ein neues Jagdflugzeug entstand die völlig neu konstruierte JA37, diese Variante wurde auch als Jakt Viggen bezeichnet. Die Studien für die Viggen der zweiten Generation begannen 1968, sie liefen bis Anfang der 1970er Jahren auf Sparflamme, damit der Zeitplan der früheren Versionen nicht gestört wurde. Erste Entwicklungsaufträge wurden im Oktober 1972 vergeben und die ersten Gelder für den neuen Abfangjäger wurden 1974 genehmigt. Neben einem schubstärkeren RM8B Triebwerk, bekommt die JA37 eine leistungsfähigere Avionik eingebaut, auch eine fix eingebaute 30 mm Oerlikon Kanone mit hoher Durchschlagskraft durfte nicht fehlen. Am 4. Juni 1974 startete die erste JA37 zu ihrem Jungfernflug, die ersten vier Prototypen waren umgebaute AJ37 und dienten zur Erprobung sämtlicher Teilsysteme. Testflugzeug Nummer 1 diente zur Prüfung der Stabilität der Maschine und des Flugreglersystems. Die Testflüge mit dem modifizierten RM8B Triebwerk wurden durch den zweiten Prototypen absolviert. Dieses Flugzeug ging bei einem Erprobungsflug verloren, deshalb musste eine fünfte AJ37 modifiziert werden. Das dritte Flugzeug diente zum austesten der Avionik und des Radarsystems, während die vierte Maschine für die Entwicklung der Elektronik und Waffensysteme herangezogen wurde. Die erste nicht umgebaute JA37 Jakt Viggen absolvierte im Dezember 1975 ihren Jungfernflug. Das schwedische Parlament bestellte im September 1974 dreißig Serienflugzeuge. Die Serienproduktion begann im Oktober 1977, die Maschinen waren wegen der langwierigen Erprobung erst im Sommer 1980 voll einsatzbereit. Bei einem solch komplexen Rüstungsprogramm war eine Verspätung von zwei Jahren nicht weiter erstaunlich. Als erste Gruppe wurde die F13 in Norrköping mit dem Jakt Viggen ausgerüstet. Bis Ende 1988 produzierte Saab insgesamt 149 Jakt Viggen.

Exportbemühungen beim Saab Viggen

Mitte der 1970er Jahre wurde eine Exportversion des Viggen an die belgische, dänischen, niederländische und norwegische Luftwaffe als Ersatz für die veraltete F104 Starfighter angeboten. Die JA37E verfügt über eine verbesserte Avionik, eine fest eingebaute 30 mm Bordkanone und ein größeres Gesamtfluggewicht. Die vier Länder verglichen die VIGGEN mit den Konkurrenzprodukten YF16 aus dem Hause General Dynamics, der YF17 von Northrop und der französischen Mirage F1. Die Viggen war in dieser vierer Gruppe immer ein Außenseiter. Die vier NATO Länder entschieden sich für die Beschaffung der F-16. 1978 musste sich die Viggen in Indien einem Vergleich mit der Mirage F1. C und der SEPECAT Jaguar stellen. Die Inder suchten ein Kampfflugzeug mit großer Eindringtiefe und guten Erdkampfeigenschaften. Das schwedische Kampfflugzeug war den Konkurrenten immer eine Nasenlänge voran, bis Amerika das Veto gegen den Export des schwedischen Viggen einlegte. Die Amerikaner sprachen sich gegen einen Export der amerikanischen Technologie aus, die in dem RM8 Triebwerk steckte. Die schwedische Regierung und die Luftfahrtindustrie waren über diese Entscheidung verärgert, handelte es sich bei dem Triebwerk doch um eine Weiterentwicklung des häufig exportierten JT8D, das in vielen Verkehrsflugzeugen eingesetzt wurde und kaum noch große Geheimnisse enthielt. Obwohl die Viggen ein ausgezeichnetes Kampfflugzeug war sie nicht zum Exportschlager geboren worden, da Schweden eine strikte Neutralitätspolitik verfolgte, die ihrer Rüstungsindustrie restriktive Exportbedingungen auferlegte. Die A20 war eine weitere Viggen, die als Angriffsflugzeug ausgelegt wurde, dieses Projekt wurde zugunsten des Leichtbaujägers JAS39 Gripen eingestellt.

Die Auslegung des Saab Viggen

Die aerodynamische Auslegung des Viggen war ähnlich wie beim Saab J35 Draken, mit dieser Konstruktion haben die Ingenieure aus Linköping bereits bewiesen, dass sie einzigartige, auf nationale Bedürfnisse zugeschnittene Kampfflugzeuge entwickeln konnten. Die Konstrukteure entschieden sich für das revolutionäre Entenflügelprinzip.

Der vordere Stützflügel mit Hinterkantenklappe unterstützt im Start und Landebereich den Hauptflügel mit zusätzlichem Auftrieb. Bei großen Anstellwinkeln verzögern die schnellen Luftwirbel, die vom Stützflügel ausgehen und über den Hauptflügel strömen, den Strömungsabriss. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass bei einem modernen Kampfjet die Bugsteuerung besser ist als die Hecksteuerung, da beim Start und der Landung nicht das Heck niedergedrückt, sondern der Bug angehoben wird. Zusätzliche Vorteile bietet die Bugsteuerung beim Langsamflugverhalten und bei der Verwendung wirksamer Auftriebshilfen. Der Hauptflügel wurde als Deltaform ausgelegt. Die Klappen am Haupttragwerk dienen als Höhenquerruder und werden auch als Landeklappen verwendet. Die JA37 verfügt gegenüber dem AJ37 über eine verstärkte Struktur einen geringfügig längeren Rumpf, um das grössere Triebwerk RM8B aufnehmen zu können. Am Hauptflügel befinden sich vier anstelle von drei Steuerklappen und eine vergrößerte gepfeilte Seitenflosse, die auch beim zweisitzigen Trainer SK37 verwendet wurde. Bei der Landung wird der Viggen mit einer konstanten Sinkrate von maximal 5 Meter in der Sekunde in den Boden geflogen, damit kurze Landestrecken erreicht werden. Das Tandem- Hauptfahrwerk mit kräftigen Bremsen und eingebautem Antiblockiersystem wurde für harte Landungen ausgelegt.

Das Triebwerk des Saab Viggen

Um die geforderten Leistungen erreichen zu können musste die Viggen mit einem leistungsstarken Triebwerk ausgerüstet werden. Das Triebwerk musste über eine Schubkraft von mehr als 10 Tonnen verfügen. Weil auf dem Markt nur ein Triebwerk in der gewünschten Schubklasse verfügbar war, entschied sich die schwedische Luftfahrtindustrie ein eigenes MACH 2 Triebwerk zu entwickeln. Als Basis wählte VOLVO das zivile JT8D von Pratt & Whitney, das für den Überschallflug weiterentwickelt werden musste. Schwedens Ingenieure mussten für das JT8D auch einen Nachbrenner konstruieren. Nach den Lizenzverhandlungen lieferte Pratt & Whitney drei JT8D Triebwerke, die mit dem schwedischen Nachbrennern ausgerüstet wurden. Nach erfolgreichen Testversuchen begann 1968 die Serienauslieferung des RM8A. Das Zweiwellen Fantriebwerk lieferte einen Trockenschub von 6.690 kp, mit dem Nachbrenner leistetet das Triebwerk einen maximalen Schub von 11.790 kp. Das Triebwerk ist 6,14 Meter lang und verfügt über ein Gewicht von rund 2.100 Kilogramm.

 Der JA37 Abfangjäger musste mit einem noch leistungsfähigeren Triebwerk ausgerüstet werden, damit in großen Höhen und im Luftkampf mehr Schubkraft zur Verfügung stand. Zusammen mit Pratt & Whitney machte man sich an die Konstruktion des leistungsfähigeren RM8B Triebwerks. Das RM8B verfügte über einen Trockenschub von 7.348 kp, mit dem Nachbrenner zugeschaltet erreichte es eine Ausstoßleistung von 12.750 kp. Das RM8B wurde geringfügig länger und rund 250 kg schwerer als das RM8A Vorgänger Triebwerk.

Saab integrierte modernste Avionik in den Viggen

Die Avionik Ausrüstung ist von Version zu Version unterschiedlich. Die aufwendigste Elektronik führt der Jakt Viggen mit. Den Hauptbestandteil bildete ein sehr leistungsfähiger, digitaler Zentralrechner von Singer Kearfott. Das äußerst genaue Trägheitsnavigationssystem KT70-L stammte vom gleichen Hersteller. Die Systemgenauigkeit des INS beträgt 1.85 Kilometer in der Stunde. Der digitale Luftwertrechner (ADC Air Data Computer) wurde ebenfalls von einer amerikanischen Firma geliefert. Bei der digitalen Flugführungsanlage handelte es sich um das erste derartige Gerät, das in ein westliches Serienkampfflugzeug integriert wurde. Entwickelt wurde das System SA07 durch SAAB und Honeywell. Das HUD ED 102B wurde von Svenska Radio zugeliefert. Das Herzstück des JA37 bildete der fortschrittliche Mehrzweck Puls Dopplerradar UAP 1023, der im I-Band arbeitet, und von LM Ericsson entwickelt wurde. Der UAP 1023 gewährte eine gute Bodensicht von bis zu 50 Kilometern. Der Radar filtert sämtliche unerwünschte Signale aus, damit dem Piloten nur die militärisch wichtigen Daten präsentiert wurden. Das UAP 1023 dient zusätzlich der Zielbeleuchtung für die AAM Sky Flash RB71 Lenkwaffe.

Flugleistungen der Viggen

Die Viggen erfreute sich bei den Piloten großer Beliebtheit, sie war wendig und leicht in der Handhabung. Bei großen Anstellwinkeln ließ sich die Viggen trotz des vorderen Stützflügels nicht gut fliegen, deshalb wurden fünfzehn Grad nur selten überschritten. Die Tragflächenbelastung einer schwer beladenen Viggen konnte gerne einmal 325 Kilogramm pro Quadratmeter erreichen. Die geringe Böenempfindlichkeit im Hochgeschwindigkeitstiefflug stellte für die Flugzeugzelle keine größeren Belastungen dar. Die Piloten kamen mit den Belastungen durch Böen in Bodennähe ebenfalls gut zurecht. Das schwedische Kampfflugzeug ist für sehr kurze Landestrecken ausgelegt worden. Bei einer Kurzlandung wurde die Viggen mit einer konstanten Sinkrate von bis zu 5 Meter pro Sekunde in den Boden geflogen. Der Pilot hält über den Steuerknüppel das Flugzeug auf dem gewünschten Gleitweg, der Flugregler kontrollierte dabei die Anfluggeschwindigkeit und Sinkrate. Sobald die Räder vom Hauptfahrwerk und das Bugrad nach dem Aufsetzen am Boden waren, sorgte die automatische Schubumkehr für eine kurze Ausrollstrecke. In unbewaffnetem Zustand erreichte die Viggen in einer Höhe von 90 Metern eine Geschwindigkeit von Mach 1,2, das Flugzeug konnte unter einem Hoch Tief Hoch (Hi Lo Hi Profil einen taktischen Einsatzradius von gut 1.000 Kilometern erreichen, bei einem reinen Tiefflugprofil halbierte sich die Eindringtiefe. In grossen Höhen kann die VIGGEN schneller als Mach 2 fliegen. Die Dienstgipfelhöhe wurde offiziell nie bekanntgegeben, dürfte aber zwischen 16.000 und 18.000 Metern liegen. Im Luftkampf konnte die Viggen mit der F-16A Falcon in engen Grenzen mithalten. Die JA37 konnte nie wirklich mit den wendigsten Kampfjets mitmischen, weil ihr eine elektronische Flugsteuerung mit künstlicher Instabilität fehlte. Mit den älteren Mustern von Dassault konnte sich die Viggen in allen Bereichen messen, hier bildete die neue Mirage 2000 wiederum die Grenze, dieses Flugzeug ist wegen des Fly-by-Wire Flugsteuerung sehr wendig ausgefallen. Mit der F/A-18 Hornet konnte sich die Viggen in den Luftkampfdisziplinen nicht mehr messen, auch mit der MiG-29 hätte die Viggen in einem engen Kurvenkampf Mühe gehabt. Trotzdem galt die Viggen als wendiges Jagdflugzeug, sie verfügte über eine hohes Beschleunigungsvermögen und gute Steigleistungen. Vom lösen der Bremse bis zum Erreichen einer Höhe von 10.000 Metern brauchte die Viggen lediglich 100 Sekunden.

Im Tiefflug mit der Viggen ins Zielgebiet

In den 1990er Jahren hatte ich die Gelegenheit eine Saab Viggen zu fliegen, es war ein faszinierendes Erlebnis, das mir das Leistungspotential dieses kampfstarken Schwedens auf eindrückliche Weise vor Augen führte. Steigen Sie mit mir ins Cockpit der Viggen ein und nehmen sie an diesem Übungseinsatz teil.

Wir jagen mit der Viggen im Tiefflug über die verschneite Seelandschaft von Götaland unserem Ziel entgegen. Der Übungsflug führt uns von unserer Luftwaffenbasis in Südostschweden zu einem Wasserkraftwerk, das als Angriffsziel herhalten muss. Die Navigation erfolgt bodenunabhängig durch das Trägheitsnavigationssystem, das wir vor dem Einsatz mit den nötigen Wegpunkten gefüttert haben. Unsere SK-37 VIGGEN ist mit zwei 250 Kilogramm Bomben und einem Zusatztank beladen. Für Selbstverteidigungsaufgaben haben wir zwei MM 9L Sidewinder dabei. Die heutige Kampfaufgabe muss im Tiefflug erfüllt werden, damit die feindlichen Einheiten unser Angriffsflugzeug möglichst nicht entdecken.

Bei dem klaren Winterwetter ist es ein Genuss mit einer Marschfluggeschwindigkeit von 900 Kilometern pro Stunde in einer Flughöhe von 60 Metern über die verschneite Landschaft zu jagen. Wir erreichen nun nach zwanzig Minuten unseren vierten Wegpunkt, wir korrigieren über einer Farm unsere INS Plattform, die nur sehr gering von den eingegebenen Koordinaten abgewichen ist. Das Ziel befindet sich nun noch 60 Kilometer von unserer Maschine entfernt, höchste Zeit das Radargerät auf die Luft-Boden Betriebsart zu schalten, damit wir das Kraftwerk erfassen können. Nach einer weiteren Flugminute können wir das Ziel auf dem Radarschirm deutlich erkennen, wir setzen die Zielmarke darauf und entsichern die 250 Kilogramm Bomben. Nun fliegen wir nach der Zielmarke auf dem Blickfeldsichtgerät direkt zu dem Kraftwerk, die Konzentration nimmt merklich zu, noch schnell den Luftraum nach feindlichen Kampfflugzeugen absuchen, damit wir im Zielgebiet keine bösen Überraschungen erleben. Noch zwei Minuten, wir befinden uns etwa 30 Kilometer südlich des Ziels und schon können wir die Konturen des Kraftwerks, das friedlich zwischen Wald und See eingebettet ist, erkennen. Nun schalten ich den Nachbrenner ein, um die Viggen zu beschleunigen, damit wir für die Bodenabwehr nur für einen kurzen Moment eine Zielscheibe abgeben. Kurz vor dem Ziel ziehen wir die Maschine mit 4 g auf einen Steigwinkel von 45 Grad und legen sie auf den Rücken, bringen die Zielmarke durch weiteres Ziehen auf das Kraftwerk, drehen in Normalfluglage und betätigen den Bombenauslöseknopf. 40 Meter über dem Boden gehen wir in den Horizontalflug über, nach drei hart geflogenen Abwehrkurven leiten wir eine 5g Kurve auf Kurs West ein und entfernen uns mit einer Geschwindigkeit von 1.150 Kilometern pro Stunde rasch aus dem Angriffsgebiet. Nach vier Minuten steigen wir auf eine Marschflughöhe von 10.000 Metern, um nach hause zur Basis zu fliegen.

Technische Daten Saab JA37 Viggen

Hersteller: Saab, Schweden
Verwendung: Jagd- und Mehrzweckkampfflugzeug

Antrieb: Ein Mantelstromtriebwerk Volvo Flygmotor RM8B
Leistung: Standschub 72,1 kN, 7.352 kp, Nachbrennerschub 125,04 kN, 12.750 kp

Besatzung: 1 Pilot
Erstflug: JA37, 4. Juni 1974. Erster Viggen Prototyp 8. Februar 1967

Abmessungen

Länge mit Staurohr: 16,43 m

Länge ohne Staurohr: 15,45 m

Spannweite: 10,60 m

Höhe: 5,90 m

Flügelfläche Hauptflügel: 46 m²

Flügelfläche mit Stützflügel: 52,20 m²

Radstand: 5,69 m

Spurweite: 4,76 m

Massen

Leergewicht: 9.500 kg

Normales Startgewicht: 17.000 kg

Maximales Startgewicht: 20.000 kg

Flügelbelastung normal: 369 kg/m²

Flügelbelastung maximal: 434 kg/m²

Interner Kraftstoff geschätzt: 5.700 Liter

Flugleistungen

Geschwindigkeit auf Meereshöhe: 1.312 km/h, Mach 1,1

Maximale Geschwindigkeit: 2.135 km/h, Mach 2,1 auf 11.000 m

Steigzeit auf 12.200 m: 60 Sekunden, 203 m/s

Maximale Steigrate auf Seehöhe: 270 m/s

Dienstgipfelhöhe: 18.300 m

Startrollstrecke: 400 m

Landerollstrecke: 500 m

Einsatzradius tief-tief-tief: 500 km

Einsatzradius hoch-tief-hoch: mehr als 1.000 km

Bewaffnung

Eine 30 mm Oerlikon KCA Kanone mit 150 Schüssen.

An vier Unterflügelstationen und drei Unterrumpfstationen bis zu 7.000 kg Kampfmittel. Ungelenkte Bomben, gelenkte Antischiffflugkörper, Raketenbehälter.

Luft-Luft-Lenkwaffen: RB71 Skyflash. AIM-120 AMRAAM, AIM-9 Sidewinder.

Saab 37 Viggen Produktionszahlen aller Varianten

SAAB 37: 8 Prototypen unterschiedlicher Versionen

AJ 37: 109 erste Angriffsvariante

SF 37: 28 Aufklärer

SH 37: 27 Variante für Seeaufklärung und Jagdaufgaben

Sk 37: 17 zweisitziger Trainer

JA 37: 149 Abfangjäger

AJS 37: 48 aufgerüstete AJ 37

AJSF 37: 25 aufgerüstete SF 37

AJSH 37: 25 aufgerüstete SH 37

JA 37D: 34 aufgerüstete JA 37

Sk 37E Stoer: 10 aufgerüstete SK 37 zweisitziges Störflugzeug

Total Saab 37 Viggen: 338, produziert bis 1990

 

Fotos: Saab, Schwedische Luftwaffe und mit freundlicher Genehmigung von Jan Jorgensen.

Reportage: Robert Kühni

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