Autor: rk

Boeing 777-300

Boeing 777-300
Entwicklungsgeschichte der Boeing 777-300
Schon während der Einführung der Boeing 777-200 wurden seitens verschiedener Luftfahrtgesellschaften, vorwiegend aus Fernost, an Boeing Forderungen nach einer gesteigerten Reichweite des Modells 777-200 herangetragen. Diese neue, gestreckte Version sollte ihrer im Dienst befindlichen, aber langsam veraltenden Boeing 747-100 und 747-200 ersetzen. Wenn man den Rumpf bei gleichem Querschnitt um ca.10 m verlängern würde, käme man auf eine Passagierkapazität von ca. 550 Personen in einer Einklassenbestuhlung, bei einer deutlichen Senkung der Betriebskosten um fast 40% durch die Verwendung von nur zwei Triebwerken modernster Bauweise und wesentlicher Gewichtsersparnis durch neue leichtere und gleichzeitig festere Werkstoffe. Somit wäre die gestreckte 777 eine sehr interessante Variante für viele Luftfahrtgesellschaften. Deshalb beschloss der Boeing Vorstand am 14.Juni 1995 deine gestreckte Version der 777 als Boeing 777-300 entwickeln zu lassen. Als Erstbesteller lancierte Cathay Pacific Airways am 26.06.1995 eine Bestellung von 12 Exemplaren. Schnell folgten Aufträge von All Nippon Airways über 7, Singapore Airlines über 12 und Emirates über 20 Maschinen.
Konstruktionsmerkmale der Boeing 777-300
Die Boeing 777-300 ist wie das Ursprungsmodell 777-200 ein zweistrahliger Ganzmetalltiefdecker modernster Auslegung. Die technische Ausrüstung wie die Ausstattung des Flugdecks mit Fly-by-wire- Steuerung und modernster Avionik wurde von der 777-200 übernommen und an den modernsten Software-Standard angeglichen. Um die die geforderten 550 Passagiere unterzubringen, wurde der Rumpf bei gleichem Querschnitt um 10,10 m verlängert und gleichzeitig entsprechend verstärkt. Mit einer Rumpflänge von 73,90 m war die Boeing 777-300 bis zum Erscheinen des Airbus A 340-600 das Verkehrsflugzeug mit dem längsten Rumpf weltweit, selbst der A 380 ist mit einer Rumpflänge von ?nur? 72,30 m kürzer. Die Tragflächen übernahm man in den Maßen und dem Grundaufbau ebenfalls von der 777-200, modifizierte aber das Profil. Das Leitwerk blieb in seiner Auslegung unverändert, lediglich der Anteil der verwendeten Verbundwerkstoffe stieg weiter an. Das Fahrwerk wurde verstärkt, um die höhere Abflugmasse sicher tragen zu können. Neu war der Einbau eines Kamerasystems, das dem Piloten die Bewegung der Maschine auf dem Boden erleichtert und die Verwendung eines Hecksporns, der das Rumpfheck vor Berührungen mit der Landebahn schützt. Als Triebwerke standen wieder die schon bei der 777-200 bewährten Modelle von Pratt & Whitney PW 4098, Rolls Royce Trend 892 oder General Electric GE90-94B zur Auswahl.
Erstflug, Einführung und Versionen der Boeing 777-300
Am 9.August 1997 fand in Everett der Rollout der ersten Boeing 777-300 statt, die nach einer zweimonatigen Bodenerprobung am 16. Oktober 1997 zu ihrem, zwei Stunden und 20 Minuten dauernden Erstflug abhob. Am 04.April 1998 erfolgte die Typenfreigabe durch die FAA und am 21.05.1998 wurde die erste 777-300 in einer großen Zeremonie an Cathay Pacific Airways übergeben, die die Maschine bereits ab dem 27. Mai 1998 im regelmäßigen Liniendienst von Hongkong nach New York einsetzte. Bis Juni 2009 wurden 78 Exemplare der 777-300 bestellt, von denen 61 ausgeliefert sind. Sehr schnell wurde die maximale Reichweite der 777-300 von 11.135 km als verbesserungswürdig angesehen und besonders Air France forderte eine höhere Reichweite als Alternative zu den bisher verwendeten Boeing 747-400. British Airways und Air New Zealand schlossen sich diesen Forderungen an. So beschloss man bei Boeing die Entwicklung der Version 777-300 ER (Extended Range), des größten und schwersten zweistrahligen Verkehrsflugzeuges der Welt.
Unter Beibehaltung des Rumpfes der 777-300 verwendete man die Tragflächen der 777-200LR ?Worldliner? mit geänderten ?Raked Wingtips? und baute in den unteren Frachtraum bis zu drei zusätzliche Tanks mit einer Kapazität von 9.800 Litern ein, um eine Reichweite von maximal 14.685 km zu erreichen. Das Fahrwerk wurde verstärkt um die höhere Startmasse von maximal
352.000kg tragen zu können, ebenso verstärkte man die Triebwerksaufhängungen. Als Triebwerke verwendete man nur die General Electric GE90-1215B-1, die mit einer Startleistung von 52.190 kp Schub (512kN) momentan die stärksten zivilen Turbofan-Triebwerke weltweit sind. Am 31.März 2000 erteilte die Air France den Erstauftrag über 20 Maschinen der neuen Version 777-300ER, dem weitere Aufträge von Air New Zealand, Emirates, Korean Airlines, All Nippon Airways und British Airways folgten. Bei Boeing ging man nun zügig an die Verwirklichung der neuen Version und am 14. November 2002 fand in Everett der Rollout der ersten Maschine statt. Nach einer umfangreichen Bodenerprobung hob sie dann am 24. Februar 2003 zu ihrem zweistündigen Erstflug ab. Fast ein Jahr später, am 16.März 2004 erteilte die FAA die Typzulassung. Der relativ lange Zeitraum erklärt sich dadurch, dass die 777-300ER, das größte und schwerste zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt ist und gleichzeitig noch über die größte Reichweite verfügt. Am 29. April 2004 erfolgte in Everett die feierliche Übergabe der ersten Maschine an Air France, die das Flugzeug dann ab dem 10. Mai 2004 im Linienverkehr einsetzte. Inzwischen hat Air France 30 Exemplare der 777-300ER im Liniendienst und weitere 16 bei Boeing bestellt. Bis zum Juni 2009 wurden 412 Exemplare der Boeing 777-300ER bestellt, davon sind 209 ausgeliefert und im aktiven Liniendienst.
Interessantes Zusatzwissen über die Boeing 777
Die Boeing 777 ist ein sehr zuverlässiges und sicheres Flugzeug, bis heute gab es nur einen Totalverlust. Am 17. Januar 2008 setzte eine 777-200ER in London Heathrow deutlich vor der Landebahn auf, wodurch Fahrwerk, Treibwerke und Rumpfboden so stark beschädigt wurden, dass die Maschine abgeschrieben werden mußte. Die Passagiere konnten das Flugzeug über Notrutschen verlassen, es gab nur 13 Leichtverletzte. Ursache war Eisbildung im Treibstofffördersystem der Rolls Royce Triebwerke, so dass die Schubleistung sich nicht mehr erhöhen ließ.
Boeing 777-300ER Air France (Foto: Air France)
Technische Daten: Boeing 777-300ER
Land: USA
Verwendung: Langstrecken-Verkehrsflugzeug
Triebwerk: zwei Zweikreis-Turbinen-Luftstrahltriebwerke General Electric GE 90-115B1
Startleistung: je 52.190 kp Schub (512,0 kN)
Dauerleistung: je 44.860 kp Schub (440,0 kN) in 9.600 m
Besatzung: 2 Mann und bis zu 17 Flugbegleiter
Passagiere: 365 Personen in der Dreiklassen-, 451 in der Zweiklassen- und maximal 550 in der Einklassenausführung
Erstflug: 16. Oktober 1997
Spannweite: 64,80 m
Spannweite des Höhenleitwerks: 21,54 m
Länge: 73,90 m
größte Höhe: 18,70 m
Rumpfdurchmesser: 6,19 m
Kabinenlänge: 59,00 m
Kabinenbreite: 5,86 m
Kabinenhöhe: 2,56 m
Spurweite: 10,97 m
Radstand: 31,22 m
Flügelfläche: 427,80 m²
V-Form:
Pfeilung der Flügelvorderkante: 31,6°
Streckung: 9,82
Leermasse: 166.880 kg
Startmasse normal: 336.860 kg
Startmasse maximal: 351.534 kg
Landegewicht maximal: 251.500 kg
Nutzlast: 69.860 kg
Tankinhalt: 181.280 Liter
Flächenbelastung: 821,73 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,37 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit: Vmo 330 kts, Mmo 0,89
Höchstgeschwindigkeit in 9.620 m: 955 km/h
Reisegeschwindigkeit in 11.060 m: 902 km/h
Wirtschaftlichste Reisegeschwindigkeit in 10.670 m: 867 km/h
Startgeschwindigkeit: 308 km/h
Landegeschwindigkeit: 272 km/h
Gipfelhöhe: 13.140 m
Reiseflughöhe normal: 11.060 m
Reiseflughöhe maximal: 12.300 m
Steigleistung: 15,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,3 min
Steigzeit auf 5.000 m: 8,5 min
Steigzeit auf 10.000 m: 21,0 min
Reichweite normal: 10.190 km
Reichweite maximal: 14.680 km
Flugdauer: 17,0 h
Startrollstrecke: 3.120 m
Landerollstrecke: 2.050 m (Flaps 25°)
Landerollstrecke: 1.930 m (Flaps 30°)
Text und Technsiche Daten: Eberhard Kranz

Kommentare

Anzeige
FliegerWeb on Facebook:
empfohlen
 
 
Practical
Nike
news
news sitemap

Back to Top