Autor: ek

Gotha Go 147

Gotha Go 147
1936 begann man sich bei der Gothaer Waggonfabrik GmbH mit einem Projekt zu beschäftigen, das einen schwanzlosen schweren Jäger mit überragenden Flugeigenschaften und Leistungen zum Entwicklungsziel hatte. Zu diesem Zweck hatte man Dr. A. Kupper von der Akaflieg München gewonnen, der dieses Projekt bearbeiten sollte. Um das Prinzip zu erproben, sollte als erster Schritt ein kleines zweisitziges Versuchsflugzeug, das auch als Schulflugzeug verwendet werden konnte, entwickelt werden. Die Maschine bekam vom RLM die Typennummer 147 zugeteilt und war als einmotoriger schwanzloser Schulterdecker in Gemischtbauweise ausgelegt, wobei das Seitenleitwerk als Flügelendscheiben ausgeführt war. Das feste Heckradfahrwerk war zum Rumpfboden hin zweimal abgestrebt, während die Federbeine an den Rumpfseiten angelenkt waren. Der kurze bootsförmige Rumpf bestand aus einer mit Leinwand bespannten Stahlrohrkonstruktion, lediglich die Motorverkleidung war aus Duralblech. Die beiden offenen Sitze befanden sich hintereinander. Das Rumpfheck lief in einer senkrechten Schneide aus. Als Antrieb war ein, mit einer NACA-Haube verkleideter, luftgekühlter 7 Zylinder Sternmotor Siemens Sh 14A mit 140 PS Startleistung eingebaut. Der Tragflügel war eine dreiteilige, doppelholmige Holzkonstruktion, auf der Unterseite mit Sperrholz beplankt und auf der Oberseite mit Stoff bespannt. Das ungepfeilte Mittelstück war in einer starken V-Stellung an den Rumpf angebaut und die mit 38° gepfeilten Außenflügel waren daran angeschlagen, wobei sie zum Rumpf hin mit je einem N-Stiel abgestrebt waren. Der Prototyp Go 147a war im Herbst 1936 fertig gestellt und schon bei den ersten Testflügen zeigte sich eine totale Instabilität um alle Achsen, die auch durch vorgenommene Veränderungen nicht wesentlich verbessert werden konnte. Bei langsamen Fluggeschwindigkeiten war eine Steuerung der Maschine nahezu unmöglich. Deshalb wurde der zweite Prototyp, die Go 147b, gründlich umgebaut, Sie erhielt kleinere Seitenleitwerke mit geänderter Form und die Kombiklappen, die als Höhenruder und Landeklappen fungierten wurden vergrößert. Die Spannweite wurde um 1,25 m reduziert, das Spornrad verkleinert und verkleidet. Als Triebwerk wurde der stärkere Argus As 10 C eingebaut. Der grundsätzliche Aufbau wurde aber nicht verändert. Da die Maschine als Ausbildungsflugzeug für Beobachter und Bordschützen gedacht war und auch als leichter Gefechtsfeldaufklärer und Artillerie-Leitflugzeug verwendet werden sollte, wurde die Go 147 b bewaffnet. Die Stoffbespannung wurde zum größten teil durch Sperrholzbeplankung ersetzt, nur die Ruder blieben stoffbespannt. Die Maschine mit der zivilen Kennung D-IQVI wurde im Herbst 1937 fertig gestellt und startete im Dezember 1937 zu ihrem Erstflug. Die Flugeigenschaften und die erzielten Leistungen enttäuschten erneut, so dass nach einer Reihe von improvisierten Veränderungen im Sommer 1938 das endgültige Ende aller Versuche kam, indem das RLM den Abbruch der Entwicklung und die Verschrottung beider Prototypen befahl.
Gotha Go 147 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Gotha Go 147 b
Verwendung: kurzstartfähiges Schulflugzeug für Beobachter und Bordschützen
Baujahr: 1937
Besatzung: 2 Mann
Triebwerk: ein luftgekühlter hängender Achtzylinder Reihenmotor Argus As 10 C mit festem Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: 240 PS (177 kW)
Dauerleistung: 200 PS (147 kW) in 3.000 m
Spannweite: 11,00 m
Länge: 5,40 m
größte Höhe: 2,52 m
Propellerdurchmesser: 2,30 m
Propellerfläche: 4,15 m²
Spurweite: 1,53 m
Flügelfläche: 19,40 m²
V-Form: +30° im Flügelmittelstück und +2,33° Außenflügel
Pfeilung der Tragflächenvorderkante: 38°
Streckung: 6,24
Wurzeltiefe: 2,14 m
Leermasse: 945 kg
Startmasse normal: 1.145 kg
Startmasse maximal: 1.250 kg
Tankinhalt: 240 Liter
Schmierstofftank: 21 Liter
Flächenbelastung: 64,43 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,21 kg/PS (7,08 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 186 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 218 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 145 km/h
Minimalgeschwindigkeit: 100 km/h
Landegeschwindigkeit: 85 km/h
Startrollstrecke: 180 m
Landestrecke: 200 m
Gipfelhöhe: 5.600 m
Steigleistung: 3,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 4,8 min
Steigzeit auf 3.000 m: 17 min
Reichweite normal: 420 km
Reichweite maximal: 550 km (einsitzig)
Flugdauer: 4 h
Bewaffnung: ein synchronisiertes 7,92 mm Maschinengewehr MG17 im Rumpfbug mit 550 Schuss und ein schwenkbares 7,92 mm Maschinengewehr MG 15 auf einem Drehkranz am hinteren Sitz mit 1.000 Schuss
Bombenlast: keine

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