Autor: ek

Supermarine Spitfire Mk.I bis Mk.V

Supermarine Spitfire Mk.I bis Mk.V
Entwicklungsgeschichte
Für die Spezifikation F7/30 des Air Ministry von Mitte 1930, die ein Jagdflugzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 mph (400 km/h) und eine Bewaffnung mit vier Maschinengewehren forderte, entwickelte Reginald J. Mitchell bei Supermarine den Typ 224, einen eleganten freitragenden Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit Knickflügeln und sorgfältig verkleidetem Fahrwerk. Mitchell ließ all die Erfahrungen, die man bei Supermarine mit den schnellen Wasserflugzeugen, besonders mit der S.6B, für die Rennen um den Schneider Pokal gesammelt hatte, in den Entwurf einfließen. Als Motor verwendete man einen Rolls Royce Goshawk mit 660 PS Startleistung. Technisches Neuland betrat man mit der Verwendung einer Oberflächenkühlung. Supermarine erhielt den Auftrag ein Exemplar zu bauen. Die Maschine wurde wegen ihrer fortschrittlichen Auslegung von der Royal Air Force jedoch abgelehnt. Allerdings zeigte das Flugzeug ein insgesamt enttäuschendes Flugverhalten und auch die Flugleistungen waren eher mittelmäßig. Sieger des Wettbewerbs wurde die als Doppeldecker ausgelegte Gloster Gladiator. Reginald J. Mitchell war vom Potential seines Entwurfs überzeugt und so entwickelte man bei Supermarine ab Mitte 1934 auf privater Basis das Flugzeug intern weiter zum Typ 300. Man überarbeitete den Typ 224 aerodynamisch, in dem man jetzt ein Einziehfahrwerk vorsah, die Tragflächenform elliptisch gestaltete und ein geschlossenes Cockpit plante. Als Antrieb wählte man den von Rolls Royce ebenfalls auf private Initiative hin entwickelten flüssigkeitsgekühlten, stehenden 12 Zylinder Reihenmotor PV 12 mit 1.000 PS Startleistung. Als Kühlflüssigkeit verwendete man Ethylenglykol. Die Luftschraube war ein zweiblättriger fester Holzpropeller, da es in England zu dieser Zeit noch keinen Verstellpropeller gab. Mitchell erkannte sofort das große Potential, das in diesem Motor steckte. Die Oberflächenkühlung, die sehr störanfällig gewesen war, verschwand und wurde gegen einen innen unter der rechten Tragfläche aufgehängten Flüssigkeitskühler ausgetauscht. Unter der linken Tragfläche brachte man den Ölkühler an. Die Haupträder des Einziehfahrwerks wurden an den Hauptholm nahe dem Rumpf angeschlagen und fuhren nach außen in den Tragfügel ein, was später zu den gleichen Problemen mit den leidigen Start- und Landeunfällen wie bei der Bf 109 führte. Die Ganzmetallbauweise hatte man vom Typ 224 übernommen, lediglich die Ruder waren stoffbespannt geblieben. Die geteilten Klappen wurden hydraulisch bewegt, ebenso wie der Fahrwerkeinziehmechanismus. Für Notfälle gab es noch eine Handpumpe für das Hydrauliksystem. Der Rumpf war als Schalenkonstruktion aufgebaut, die mit Aluminiumblechen verkleidet war. Das geschlossene Cockpit ging nach hinten in die Rumpfstruktur über, was die Sichtverhältnisse nach hinten stark beeinträchtigte, so dass man sich mit Rückspiegeln behelfen musste. Als Bewaffnung sah man insgesamt acht 7,7 mm Maschinengewehre von Browning vor, die als Flächenwaffen in die Tragflächen (je vier pro Tragfläche) eingebaut werden sollten, ohne durch den Propellerkreis zu schießen. Durch die Geheimdienstberichte, die man über die deutsche Luftrüstung erhielt, erkannte man ziemlich klar, welche Gefahr von den modernen Eindeckern, besonders der Messerschmitt Bf 109 ausging. Deshalb zeigte man sich beim Air Ministry an der Entwicklung des Typs 300 interessiert und erließ mit der Spezifikation F.37/34 eine nur für dieses Modell bestimmte Ausschreibung und bestellte eine Maschine zu Test- und Vergleichsflüge. Ende Februar 1936 war die Maschine fertiggestellt und erhielt die Kennung K5054. Am 5. März 1936 startete auf dem Flugfeld von Eastleigh in der Nähe von Southampton der Chefpilot von Supermarine, die hellblau gespritzte Maschine zu ihrem Erstflug. Die Flugeigenschaften und die Bedienbarkeit waren über erwaten gut, nur zeigten sich einige Mängel durch Fertigungsfehler, da man mit der modernen Bauweise produktionsseitig noch Probleme hatte. Werksintern hatte man den Typ 330 wegen der acht Maschinengewehre als ?Spitfire? bezeichnet. Nach einer erstaunlich geringen Zahl von Testflügen wurde am 3. Juni 1936 vom Air Ministry eine Erstbestellung über 510 Spitfire Mk.I ausgelöst.
Versionen der ersten Spitfire
Spitfire Mk.I A und Mk.IB
Als Antrieb war der aus dem PV.12 weiterentwickelte Rolls Royce Merlin II vorgesehen und die Bewaffnung sollte wie beim Prototyp aus acht 7,7 mm Maschinengewehren von Browning bestehen. Mit dem Beginn der Serienfertigung bei Supermarine zeigten sich jedoch viele Probleme, da wie schon beim Prototyp, werksseitig die Voraussetzungen für die Produktion eines zur damaligen Zeit so modernen und komplexen Flugzeuges fehlten und nun neben der Fertigung gelöst werden mussten. So startete das erste Serienflugzeug erst am 14. Mai 1938, fast zwei Jahre nach Auftragseingang. Bis zum 20. September 1938, also auf dem Höhepunkt der Krise um die Tschechoslowakei, verfügte die No.19 Squadron in Duxford , die als erste mit der Spitfire Mk.I ausgerüstet wurde, über ganze fünf Flugzeuge, die wegen Fertigungsproblemen bei Vickers mit jeweils nur vier 7,7 mm Browning Maschinengewehren bestückt werden konnten. Langsam wurden die Produktionsschwierigkeiten überwunden und die Serienfertigung begann fahrt aufzunehmen. Gleichzeitig wurden die ersten Verbesserungen an der Mk.I vorgenommen. Ab Januar 1939 stand ein von de Havilland und Rotol entwickelter Dreiblatt-Verstellpropeller mit konstanter Drehzahl zur Verfügung, die hintere Cockpithaube erhielt eine Wölbung, welche die Sicht nach hinten wesentlich verbesserte, die Frontscheibe wurde aus Panzerglas gefertigt. Die beiden recht kleinen Tanks (Volumen insgesamt 386 Liter) wurden selbstdichtend ausgeführt. Rolls Royce hatte das Triebwerk mit einer absaugenden Auspuffanlage versehen und die Handpumpe des Hydrauliksystems wurde durch eine elektrisch betriebene ersetzt. In verschiedenen Maschinen wurde ein Funkgerät mit einer Freund-Feind-Kennung getestet. Bei Kriegsbeginn am 3. September 1939, dem Tag an dem Großbritannien Deutschland den Krieg erklärte, waren bereits zehn Squadrons mit insgesamt 224 Spitfire ausgerüstet und am 16. Oktober 1939 schoss ein Pilot der No.603 Squadron mit seiner Spitfire eine Heinkel He 111 ab, der erste Luftsieg einer Spitfire über Großbritannien. Bereits 1938 plante Joe Smith, der nach Reginald J. Mitchells Tod am 11.Juni 1937, die Entwicklungsabteilung bei Supermarine übernommen hatte, die Weiterentwicklung der Spitfire. Besonderen Wert legte er auf die Verstärkung der Bewaffnung, so tauschte man die beiden rumpfseitigen Maschinengewehre gegen 20 mm Maschinenkanonen Hispano aus. Anfang 1940 wurden dann auch 30 Exemplare als Mk.IB ausgeliefert, doch die Kanonen versagten im harten Fronteinsatz, so dass diese Entwicklung vorerst gestoppt wurde.
Bei einer überarbeiteten Tragflächenform, dem Typ C, ersetzte man alle Maschinengewehre durch insgesamt vier 20 mm Hispano Maschinenkanonen mit je 60 Schuß, die man eng im Flügel paarweise montierte. Insgesamt wurden 1.566 Exemplare der Versionen Mk.I A und Mk.IB gefertigt, wovon die meisten bei der Luftverteidigung des englischen Mutterlandes zum Einsatz kamen. Die Piloten kamen aus ganz Europa, aus Polen, der Tschechoslowakei, Norwegen, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, auch aus der Schweiz, um zusammen mit den britischen Fliegern gegen die deutschen Verbände zu kämpfen. In der Luftschlacht um England wurde die Spitfire zum Symbol der Royal Air Force, obwohl die Hurricane Staffeln viel mehr zum Sieg über die deutschen Geschwader beitrugen und auch den wesentlich höheren Blutzoll dafür bezahlen mussten.
Spitfire Mk.II
Mit der Serienreife des leistungsgesteigerten Rolls Royce Merlin XII mit einer Startleistung von 1.175 PS begann die Serienfertigung der Mk.II in der riesigen Schattenfabrik von Castle Bromwitch bei Birmingham. Der Erstauftrag belief sich auf 751 Exemplare der Version Mk.IIA mit der Bewaffnung mit acht 7,7 mm Maschinengewehren Browning mit 350 Schuß pro Waffe und 170 Exemplaren der Ausführung Mk.IIB mit zwei 20 mm Maschinenkanonen Hispano, die jetzt funktionssicher gemacht worden waren und über je 60 Schuss verfügten, und vier 7,7 mm Browning Maschinengewehren. Dem Erstauftrag folgten keine weiteren Bestellungen der Mk.IIA und Mk.IIB.
Spitfire Mk.III
Die Mk.III war ein Prototyp, mit der Kennung N 3297 und diente der Erprobung des Rolls Royce Merlin XX mit 1.280 PS Startleistung und verblieb als Testflugzeug bei Rolls Royce. Ab Anfang 1944 scheint die Maschine bei Rolls Royce nicht mehr Existent zu sein.
Spitfire Mk.IV
Die Mk.IV wurde als Einzelexemplar zur Erprobung des neuen Rolls Royce Griffon I mit einer Startleistung von 1.560 PS gebaut. Der Rumpf wurde um 0,9 m verlängert und die Kühler wesentlich vergrößert. Das Flugzeug erhielt einen Vierbatt-Metall-Verstellpropeller von de Havilland. Gleichzeitig wurden aber die Fotoaufklärer aus der Baureihe Spitfire Mk.V, von denen 229 Exemplare gefertigt wurden als Mk.IV bezeichnet. Bei dieser Version wurden die Maschinengewehre aus den Tragflügeln ausgebaut und in den freien Raum zwei zusätzliche Tanks mit insgesamt 300 Litern Kraftstoff eingebaut, sowie ein vergrößerter Öltank im Rumpf installiert. Im hinteren Rumpfteil wurden zwei Reihenbildkameras in einem beheizbaren Gehäuse montiert, die von beiden Rumpfseiten aus fotografierten und sich in der Mitte überlappende Fotos lieferten. Für den Piloten war eine zusätzliche Höhenbeatmungsanlage mit reinem Sauerstoff vorhanden.
Spitfire Mk.V
Die Mk.V unterschied sich von der als Einzelexemplar gebauten Mk.II nur durch einen verstärkten Rumpfaufbau, um das stärkere Triebwerk Merlin 45 aufnehmen zu können, die Verwendung eines Propellers mit breiteren Propellerblättern und der wahlweisen Ausstattung mit den Tragflächentypen A, B oder C. Außerdem konnte an einer Unterrumpfaufhängung ein abwerfbarer Zusatztank mit 136 Litern oder eine 227 kg Sprengbombe transportiert werden. Von der Spitfire Mk.V wurden insgesamt 6.479 Exemplare gefertigt, wobei die Version Mk.VB mit zwei 20 mm Maschinenkanonen und vier 7,7 mm Maschinengewehren mit 4.124 Maschinen die meistgebaute war. Der Erstflug einer Mk.V fand am 12. Dezember 1940 statt, wobei die Maschine aus der Zelle einer Mk.IA mit einem eingebauten Rolls Royce Merlin 45 bestand. Die Version Mk.VC mit vier 20 mm Maschinenkanonen setzte sich erst gegen Ende des Serienbaus der Mk.V durch. Die in Nordafrika eingesetzten Maschinen erhielten einen Sand- und Staubfilter unter dem Rumpfbug, der ihnen ein charakteristisches Aussehen verlieh. Neu waren auch die nur mit zwei Stehbolzen befestigten Flügelspitzen der für den Tiefflugeinsatz bestimmtem Maschinen, die sogenannten ?Clipped-wing Spits?, die in geringer Flughöhe die Wendigkeit und die Schnelligkeit erhöhten, während sie sich in größeren Flughöhen negativ bemerkbar machten. Des Weiteren hatte man sich von der Stoffbespannung der Ruder und Klappen getrennt und diese durch eine Aluminiumbeplankung ersetzt. Mit dem Erscheinen der Focke Wulf Fw 190 ab 1941 am Kanal beim Jagdgeschwader JG 26 zeigte sich relativ schnell die Unterlegenheit der Spitfire Mk.V gegenüber dem neuen deutschen Jäger, was bei der Royal Air Force und bei Supermarine zu hektischen Aktionen führte, ehe man sich intensiv mit neuen leistungsgesteigerten Versionen der Spitfire beschäftigte.
Maschinen die nicht in Serie gingen
Nicht in Serie gebaute Sonderausführungen der Spitfire waren zum Beispiel zwei Exemplare als Schwimmerflugzeug, die als Abfangjäger gegen deutsche Fernkampfflugzeuge Fw 200 Condor eingesetzt werden sollten, ein Versuchsflugzeug, wo man die Aluminiumbeplankung gegen PVC Platten ausgetauscht hatte und eine Speed Spitfire mit der man schon 1939 den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord nach Großbritannien holen wollte, was aber nicht gelang.
Supermarine Spitfire Mk.1B (Archiv: Robert Kühni)
Technische Daten: Spitfire Mk.VB
Technische Daten: Spitfire Mk.VB
Land: Großbritannien
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: 1 x flüssigkeitsgekühlter stehender 12 Zylinder V-Motor Rolls Royce Merlin 45 mit Dreiblatt-Metall-Verstellpropeller de Havilland
Startleistung: 1.476 PS (1.102 kW)
Dauerleistung: 1.180 PS (881 kW) in 4.300 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 5. März 1936
Spannweite: 11,23 m
Länge: 9,12 m
größte Höhe: 3,02 m
Propellerdurchmesser: 3,20 m
Propellerfläche: 8,04 m²
Spurweite: 1,88 m
Flügelfläche: 22,48 m²
Flügelstreckung: 5,61
V-Form: 3,5°
Leermasse: 2.268 kg
Startmasse normal: 2.850 kg
Startmasse maximal: 2.915 kg
Nutzlast gesamt: 685 kg
Kraftstoff: 481 Liter
Schmierstoff: 32 Liter
Flächenbelastung: 129,68 kg/m²
Leistungsbelastung: 1,98 kg/PS (2,65 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 529 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 602 km/h
Marschgeschwindigkeit in 2.500 m: 493 km/h
Landegeschwindigkeit: 135 km/h
Gipfelhöhe: 11.300 m
Steigleistung: 13,5 m/s
Steigzeit auf 1000 m: 1,25 min
Steigzeit auf 3000 m: 4,0 min
Steigzeit auf 5.000 m: 7,5 min
Reichweite normal: 740 km
Reichweite maximal: 850 km
Startstrecke: 315 m
Landestrecke: 320 m
Flugdauer: 1,75 h
Bewaffnung: Zwei 20 mm Maschinenkanonen Hispano mit je 60 Schuss und vier 7,7 mm Maschinengewehre Colt-Browning mit je 350 Schuss in den Tragflächen montiert. Bombenlast: Eine 227 kg Bombe.
Text und Technische Daten: Eberhard Kranz

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