Autor: ek

Kawanishi H8K

Kawanishi H8K
Entwicklungsgeschichte
Im Sommer 1938 gab die japanische Marine eine Ausschreibung heraus, welche in Anlehnung an die britische Short S.25 ?Sunderland? und die amerikanische Sikorsky XPBS-1, die Entwicklung eines modernen viermotorigen Flugbootes in Eindeckerbauweise für Fernaufklärung, Transport und Kampfeinsätze forderte. Als Leistungsparameter wurden eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 445 km/h und eine Reichweite von 8.340 km vorgegeben. Bei Kawanishi baute man auf die Erfahrungen mit der in Serie gefertigten H6K auf und begann mit der Entwicklung eines freitragenden Schulterdeckerflugbootes in Ganzmetallbauweise. Der zweistufige Rumpf in Schalenbauweise nahm die Besatzung und in der Transportausführung H8K2-L 64 Soldaten mit voller Ausrüstung oder 7.000 kg Nutzlast, sowie ein Teil des Kraftstoffvorrates auf. Die zweiholmigen Tragflächen verfügten auf 52 Prozent ihrer Länge über Wölbklappen und konnten an je vier Unterflügel-Aufhängungen Abwurfwaffen mitführen. Das hohe Seitenleitwerk und die auf dem Rumpf aufliegenden Höhenflossen waren ebenfalls als Ganzmetallkonstruktionen ausgeführt, lediglich die Ruder waren mit imprägniertem Stoff bespannt.
Erprobung und Einführung
Im November 1940 war der erste Prototyp werksseitig fertiggestellt und nach einer Überprüfung der hydrodynamischen Eigenschaften, die einige kleinere Änderungen an der zweiten Bootsstufe zur Folge hatten, konnte am 26. Dezember 1940 im Kawanishiwerk in Konan bei Osaka das Erprobungsprogramm unter der Leitung von Testpilot Kapitänleutnant Ito Hiromishi begonnen werden. Bei den ersten Tests stellte man fest, dass bei einer Geschwindigkeit von 45-50 km/h die erzeugte Buggischt bereits bis zu den Propellern reichte. Trotzdem erfolgte am 9. Januar 1941 der Erstflug. Am 11. Januar 1941 wurde aber durch die Wassermassen ein Propeller komplett abgerissen. Die Erprobung wurde daraufhin abgebrochen und im groβen Wasserkanal der Tokioter Universität begann man mit hydrodynamischen Untersuchungen an Modellen der H8K. Bald stellten sich die Form des Buges und der Übergang zum Kiel als Störquelle heraus, zusätzlich empfahl man noch die Verschiebung der Propellerebene um 50 cm nach hinten. Diese Änderungen wurden am ersten Prototyp durchgeführt und am 23. März 1941 konnte die Erprobung fortgesetzt werden. Die Veränderungen waren erfolgreich und so konnte in relativ kurzer Zeit die Erprobung erfolgreich abgeschlossen werden. Im Mai 1941 wurde ein erstes Baulos von 24 Maschinen als H8K-1 geordert, von denen bis Ende 1942 erst 17 Exemplare an die Marine übergeben waren. Gleichzeitig wurde der Einbau der stärkeren Mitsubishi MK 40 ?Kasei 22? vorgesehen, so dass man die Variante H8K-2 mit den stärkeren Motoren und einer verbesserten Bewaffnung in den Serienbau gab.
Die H8K-2 im Einsatz
Die H8K-2, von der von 1943 bis 1945 112 Exemplare als Kampfflugboot und 32 als Transportflugboot gefertigt wurden, war die Hauptausführung. Sie wurde sowohl im Indischen wie im Stillen Ozean eingesetzt. Mit ihr flog man Angriffe auf Colombo und Kalkutta und Marinestützpunkte in Nordaustralien. Um die Flugleistungen weiter zu verbessern, beschäftigte man sich intensiv mit der Entwicklung von einziehbaren Stützschwimmern, die in der Variante H8K-3 neben einer verstärkten Kanonenbewaffnung ab 1944 eingebaut wurden. Allerdings entstanden davon bis Kriegsende nur noch vier Maschinen. Von der geplanten Weiterentwicklung H8K-4 mit stärkeren ?Kasei 25b? Motoren wurden bis zum Sommer 1945 noch zwei Prototypen gefertigt. Mehrere H8K wurden von den alliieren Truppen flugfähig erbeutet und in den USA und Großbritannien nach Kriegsende ausgiebig getestet. Dabei stellte man fest, dass die H8K in vielen Belangen den eigenen Großflugbooten überlegen war. Der alliierte Codenamen der H8K war ?Emily?.
Kawanishi H8K-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Kawanishi H8KH8K2
Land: Japan
Verwendung: Fernaufklärungs-, Kampf- und Transportflugboot
Triebwerk: vier luftgekühlte 14-Zylinder-Doppel-Sternmotoren Mitsubishi MK-40 ?Kasei-22? mit verstellbaren Vierblatt-Metall-Propellern
Startleistung: je 1.850 PS ( kW)
Dauerleistung: je 1.530 PS ( kW) in 4.000 m
Besatzung: 9 Mann
Erstflug: 9. Januar 1941
Spannweite: 38,00 m
Länge: 28,13 m
größte Höhe: 9,15 m
Propellerfläche: 10,18 m²
Abstand der Stützschwimmer: 24,72 m
Flügelfläche: 160,00 m²
V-Form:
Streckung: 9,025
Leermasse: 18.380 kg
Startmasse normal: 24.500 kg
Startmasse maximal: 32.500 kg
Tankinhalt: 16.000 Liter
Flächenbelastung: 203,125 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,39 kg/PS (5,96 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Meeresnähe: 422 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 466 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 300 km/h
wirtschaftlichste Marschgeschwindigkeit: 275 km/h in 4.000 m
Landegeschwindigkeit: 120 km/h
Gipfelhöhe: 10.300 m
Steigleistung: 7,5 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 2,30 min
Steigzeit auf 4.000 m: 12,0 min
Reichweite normal: 4.800 km
Reichweite maximal: 7.800 km mit reduzierter Zuladung
Aktionsradius: 3.120 m
Flugdauer: 23,3 h bei 275 km/h
Bewaffnung: fünf 20 mm Maschinenkanonen Typ 99 Modell 1 mit je 250 Schuss und sechs 7,7 mm Maschinengewehre Typ 92 mit je 1.200 Schuss
Bombenlast normal: 1.600 kg ( zwei 800 kg Torpedos unter den Tragflächen)
Bombenlast maximal: 2.000 kg ( acht 250 kg Sprengbomben unter den Tragflächen)
Text und technische Daten: Eberhard Kranz

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