Autor: ek

Gotha UWD

Gotha UWD
Die Inspektion der Fliegertruppen startete schon im März 1914 einen Wettbewerb zur Entwicklung eines zweimotorigen bewaffneten Doppeldeckers mit drei Mann Besatzung. Die Flugdauer sollte bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h sechs Stunden betragen. Oskar Ursinus, der Chefredakteur der Zeitschrift ?Flugsport?, hatte sich sehr für das Motorflugwesen eingesetzt, da er in den großen Luftschiffen nicht den zukünftigen Weg der Luftfahrt sah. Der Wettbewerb veranlasste ihn, sich intensiver mit der Möglichkeit der Schaffung mehrmotoriger Flugzeuge zu beschäftigen. Dabei entstand der Rohentwurf eines zweimotorigen Doppeldeckers mit Schwimmern. Während er in Darmstadt-Griesheim ab August 1914 in der Reparaturwerft der Flieger Ersatz Abteilung (FEA) 3 die spätere G.I baute, verfolgte er seine ursprüngliche Idee eines zweimotorigen Schwimmerflugzeuges weiter. Nachdem die Fertigungsunterlagen der Friedel-Ursinus am 30. März 1915 von der Gothaer Waggonfabrik erworben worden waren, schloß Ursinus bereits am 14. April 1915 mit der Gothaer Waggonfabrik einen Vertrag, der die Entwicklung und den Bau eines zweimotorigen Schwimmerflugzeug beinhaltete, das die offizielle Bezeichnung UWD erhielt, was Ursinus Wasser Doppeldecker bedeutete.
Gotha UWD (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Gotha UWD
Ursinus war von der Konstruktion der Friedel-Ursinus als einem zweimotoriger Doppeldecker in Ganzholzbauweise mit Stoffbespannung und doppeltem Seitenleitwerk ausgegangen. Lediglich das Schwimmerwerk mußte komplett neu entwickelt werden. Der Rumpf mit trapezförmigen, oben abgerundeten Querschnitt war als Gitterrumpf aufgebaut und wurde lediglich um 1,30 m verlängert, weil auch Torpedos untergebracht werden sollten. Wie bei der G.I konnte er zum Verladen für den Eisenbahntransport in drei Teile zerlegt werden. Der Rumpfbug war mit Aluminiumblechen verkleidet und bot dem Schützen mit seinem auf einem Drehkranz montiertem Maschinengewehr ein Schußfeld von über 300 Grad. Der restliche Rumpf war mit Sperrholz verkleidet. Die beiden Tragflächen waren jeweils zweiholmige Holzkonstruktionen, die mit Stoff bespannt waren. Sie bestanden aus je einem Tragflächenmittelstück und den entsprechenden Außenflügeln. Ursinus verkürzte die obere Tragfläche um 1,90 m und verwendete für beide Tragflächen nun ein gleich langes Tragflächenmittelstück. Das Tragflächenmittelstück des oberen Tragflügels ging unter den aufgesetzten Besatzungsraum hindurch und war fest mit den Rumpfspanten verbunden. Die Außenflügel hatten eine leichte Pfeilung und trugen die Querruder. Das Tragflächenmittelstück des durchgehenden unteren Tragflügels trug die beiden stärkeren flüssigkeitsgekühlten Sechszylinder-Reihenmotoren Mercedes D.III. Obere und untere Tragfläche waren durch vier Stielpaare, die zusätzlich mit Stahlseilen ausgekreuzt waren, verbunden. Am innersten Stiel war jeweils der Flüssigkeitskühler angebracht. Das Leitwerk war ebenfalls eine stoffbespannte Holzkonstruktion, war am Rumpfboden angebracht und durch vier I-Stiele zum Rumpf hin nach oben abgestrebt. Das Seitenleitwerk bestand aus zwei Seitenflossen, die auf der Höhenflosse standen und mit Stahlseilen zum Rumpf hin verspannt waren. Das Schwimmwerk bestand aus zwei zweistufigen Leichtmetallschwimmern, die unter den Motoren angebracht waren. Die Befestigung bereitete Schwierigkeiten, da man mit derart großen Schwimmern keinerlei Erfahrung hatte. Schließlich entschied man sich für die gleiche Art, wie man bei der G.I das Hauptfahrwerk angebracht hatte. Je zwei N-Stiele waren am unteren Tragflügel und an den Motoren angeschlagen und wurden als einzelne Streben schräg nach oben in den Rumpf und den oberen Tragflügel weiter geführt, wo sie an den beiden Holmen angelenkt waren. Die Schwimmer wurden mit Stahlseilen zusätzlich gegen die Motorengondeln verspannt. Die Bewaffnung entsprach der G.I: ein Parabellum 08 Maschinengewehr im Bugstand. Die Bombenlast von maximal 300 kg wurde entweder unter dem unteren Tragflächenmittelstück als Außenlast (Torpedo) oder im Beobachterraum mitgeführt.
Gotha UWD (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der Gotha UWD
Nach der Fertigstellung wurde die Maschine per Bahn an das Seeflugzeug Versuchs Kommando in Warnemünde transportiert. Dort montierte man das Flugzeug und übergab es am 30. Dezember 1915. Es erhielt die Marine Nummer 120 und startete am 3. Januar 1916 zu seinem Erstflug, der ohne Probleme verlief. Die erfolgreiche Erprobung endete im März 1916. Anschließend kam die UWD zur Seeflugstation Flandern I in Zeebrügge und schon am 19. März erfolgte der erste Kampfeinsatz. Zusammen mit anderen Seeflugzeugen (Friedrichshafen FF 33 und Brandenburg NW) wurden die Hafenanlagen von Ramsgate und Dover angegriffen. Weitere erfolgreiche Angriffe folgten bis in den Juli 1916. Wenig später brachen nach der Rückkehr von einem Angriff bei einer harten Wasserung die gesamten Schwimmerstreben, was zu einer nicht mehr zu reparierenden Beschädigung der UWD führte. Am 2. Oktober 1916 wurde das Schwimmerkampfflugzeug 120 aus dem Bestand der deutschen Marine gestrichen.
Gotha UWD (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Gotha UWD
Land: Deutschland
Verwendung: Marine Aufklärungs-, Bomben- und Torpedoflugzeug
Triebwerk: zwei flüssigkeitsgekühlte stehende Sechszylinder-Reihenmotoren Mercedes D. III mit festem Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: je 160 PS (119 kW)
Dauerleistung: 130 PS (97 kW) in 2.000 m
Besatzung: 3 Mann
Erstflug: 3. Januar 1916
Spannweite oben: 20,10 m
Spannweite unten: 19,70 m
Länge Flügelmittelstück oben: 7,10 m
Länge Flügelmittelstück unten: 7,10 m
Länge: 14,20 m
größte Höhe: 4,40 m
Spannweite Höhenflosse: 4,80 m
Propellerdurchmesser: 2,60 m
Propellerfläche: 5,31 m²
Schwimmerlänge: 10,15 m
Schwimmerbreite: 1,10 m
Schwimmerhöhe: 0,825 m
Spurweite der Schwimmer: 5,10 m
Flügelfläche: 77,80 m²
V-Form oben: -0,75°
V-Form unten: + 2,25°
Pfeilung der Tragflächenvorderkante: 10,0°
Streckung: 5,19
Wurzeltiefe Tragfläche: 2,28 m
Staffelung: 0,35 m
Leermasse: 1.940 kg
Startmasse normal: 2.550 kg
Startmasse maximal: 2.750 kg
Tankinhalt: 200 Liter
Schmierstofftank: 36 Liter
Flächenbelastung: 35,35 kg/m²
Leistungsbelastung: 8,59 kg/PS (11,57 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Wasserhöhe: 137 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.500 m: 128 km/h
Reisegeschwindigkeit in 2.500 m: 117 km/h
Landegeschwindigkeit: 80 km/h
Startrollstrecke: 540 m
Landestrecke: 250 m
Gipfelhöhe: 2.600 m
Steigleistung: 1,35 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 13,0 min
Steigzeit auf 2.500 m: 42 min
Reichweite normal: 480 km
Reichweite maximal: 540 km
Flugdauer: 4,75 h
Bewaffnung: ein 7,92 mm Maschinengewehr 08 Parabellum mit 900 Schuß
Bombenlast: maximal 300 kg
Text: Eberhard Kranz

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