Autor: rk

F-16 Endmontagelinie in Greenville

Lockheed Martin F-16 Block 70

Lockheed Martin F-16 Block 70 Bahrain (Artwork: Lockheed Martin)

Mitte 2019 hat Lockheed Martin die Fertigungsstraße für die modernste F-16 Fighting Falcon in Greenville im Bundesstaat South Carolina in Betrieb genommen.


Seit nunmehr einem Jahr wird die F-16 Fighting Falcon in Greenville gebaut. Lockheed Martin hat den Umzug der F-16 Produktion vom Werk Fort Worth nach Greenville vollzogen, damit der frei gewordene Platz im Hauptwerk für die F-35-Fertigung verwendet werden kann. Zu diesem Zweck hat Lockheed Martin die Werkzeuge und Vorrichtungen für den Bau der Fighting Falcon nach Greenville gezügelt und dort in einem neu renovierten Hangar installiert. Mehr als 400 neue Arbeitsplätze sind durch die F-16-Produktionslinie in Greenville geschaffen worden. Die neu aufgebaute Fighting Falcon Produktionslinie garantiert auch den Fortbestand von vielen Jobs bei den mehr als 400 US-amerikanischen Zulieferfirmen, die immer noch für das F-16 Programm eingespannt sind.

Auf der neu eingerichteten Produktionslinie werden zuerst sechzehn F-16 aus dem Block 70 für Bahrain gebaut. Die Slowakei hat im Dezember 2018 eine Kaufabsichtserklärung für vierzehn Jets aus diesem Baulos unterzeichnet, dieser Auftrag konnte im Sommer 2019 unter Dach und Fach gebracht werden. Die Slowakei wird ihre MiG-29 durch neue F-16V Viper aus dem Block 70 ersetzen, dazu hat das Land nun definitiv vierzehn F-16V gekauft. Bulgarien steht seit Jahren als Interessent für neue Fighting Falcons auf dem Radar der US-amerikanischen Waffenlobbyisten, man stehe immer noch in Verhandlungen, heißt es aus US-amerikanischen Regierungskreisen. Marokko ist schon einen Schritt weiter und hat die US-amerikanische Erlaubnis zum Kauf von 25 F-16C/D aus dem Block 72 erhalten. Neben neuen Fighting Falcons möchte Marokko auch ihre 23 F-16C/D modernisieren. Die 25 neuen F-16C/D sollen laut dem Pentagon rund 3,8 Milliarden US Dollar kosten und die Modifikationen werden mit einer Milliarde US Dollar veranschlagt. Die F-16C/D Jets aus dem Block 52+ sollen bei dem Upgrade auf den Viper Standard gebracht werden. Ob und wann die Kaufverträge unterzeichnet werden, ist noch offen, das Hauptauftragsvolumen würde dabei Lockheed Martin zukommen. Die Endfertigung in Greenville wird also noch über ein paar Jahre ausgelastet sein, auch Upgrades können hier bei Bedarf vorgenommen werden.

Nach langem Hin und Her bewilligte die US-amerikanische Regierung im August 2019 den Verkauf von 66 modernsten F-16 Viper Kampfflugzeuge an Taiwan. China versuchte seit Jahren den USA das Fighter Geschäft mit Taiwan zu vermiesen und drohte immer wieder mit Sanktionen, falls die USA F-16 Kampfflugzeuge an Taiwan verkaufen sollte. Den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump kümmern diese Androhungen aus China wenig, ihm war es wichtiger, diesen wichtigen Rüstungsauftrag über rund acht Milliarden US Dollar endlich abzuschließen und damit die US-amerikanische Rüstungsindustrie zu stärken, als der chinesischen Regierung immer wieder nachzugeben. Dieser Auftrag sichert bei Lockheed Martin die F-16 Produktion für viele weitere Jahre, die F-16 wird seit den 1970er Jahren gebaut. Taiwans Parlament hat das Geschäft im November 2019 bewilligt, laut taiwanesischen Medienberichten sollen die ersten beiden F-16V für Testzwecke im Jahr 2023 an Taiwan übergeben werden, dabei soll es sich um einen Ein- und einen Doppelsitzer handeln. Taiwan hat den Auftrag über 66 F-16V auf zehn Doppelsitzer und 56 Einsitzer unterteilt. Die letzte F-16V aus dieser Bestellung soll 2026 an Taiwan ausgeliefert werden.

Die F-16 Variante aus dem Block 70 ist mit dem APG-83 Radar ausgerüstet, dabei handelt es sich um den modernsten Radar mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung. Der SABR (Scalable Agile Beam Radar) stammt von Northrop Grumman und wird auch für die Nachrüstung von 142 älteren F-16A/B der taiwanesischen Luftwaffe verwendet. Bei der neusten F-16 bildet das APG-83 das Herzstück der Avionik, daneben besticht das Flugzeug mit einer neuen Anzeigeeinheit in der Mittelkonsole, einem modernisierten Missionscomputer von Raytheon, einem Hochleistungs-Ethernet-Datenbus und mehreren weiteren Verbesserungen. Die F-16 für Bahrain erhalten auch ein automatisches Bodenannäherungswarnsystem. Zu erwähnen sind auch die Rumpfkonformen Treibstofftanks. Das komplette Waffensystem bei der F-16 aus dem Block 70 gehört zur fünften Generation und kann sich somit mit sämtlichen Kampfjets der neusten Generation messen. Die Flugzeugzelle hat eine strukturelle Lebensdauer von 12.000 Flugstunden.

Drei Fragen an Capt. Robert Kühni

FW: Kann sich die Viper wirklich mit Waffensystemen der neusten Generation messen?

RK: Die Hauptkonstruktionsmerkmale der F-16 Fighting Falcon stammen aus den 1970er Jahren. Das Flugzeug wurde ständig weiterentwickelt und kann sich auch heute noch mit den weltbesten Kampfjets messen.

FW: Was ist das Erfolgsrezept dieser Konstruktion?

RK: Die F-16 ist ein relativ kleiner Fighter, der über vierzig Jahre hinweg fast beliebig ausgebaut und verbessert werden konnte. Der Konstruktion kommt zu Gute, dass die Mikroelektronik immer kleiner und leistungsfähiger wurde und die Triebwerke leisten heute bei gleicher Größe und kleinerem Gewicht ebenfalls viel mehr als noch vor vierzig Jahren, unterstützend kommt dazu, dass der Treibstoffverbrauch erheblich gesenkt werden konnte. Diese drei Hauptfaktoren führten zu der unglaublich langen Marktverweildauer der Fighting Falcon.

FW: Hat die F-16V Viper weiter Chancen am Exportmarkt?

RK: Mit mehr als 4.500 verkauften Jets ist die F-16 der unbestrittene Marktführer bei den modernen Kampfflugzeugen von heute. Wenn Lockheed Martin bei der F-16V eine weise Preispolitik fährt, dann sage ich der F-16 Fighting Falcon weitere Exportaufträge voraus, falls der Kaufpreis nicht attraktiv genug ist, dann wird der Marktzyklus bei der F-16 am Ende sein.

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