Autor: ek

Sud-Ouest SO. 6020 Espadon

Sud-Ouest SO. 6020 Espadon
Am 25. März 1946 schrieb die Armée de l?Air einen Wettbewerb zur Schaffung eines modernen strahlgetriebenen Jagdflugzeuges für die französischen Jagdfliegerverbände aus. Unter der Leitung von Lucien Servanty entwickelte man dafür bei der Société Nationale de Constructions Aéronautiques de Sud-Est (SNCASE) einen einsitzigen Mitteldecker in Ganzmetallbauweise. Der Rumpf, der wegen des zur Verwendung vorgeschriebenen Rolls Royce ?Nene 102? TL-Triebwerks mit Radialverdichter sehr groß ausgefallen war, bestand aus einer Halbschalenkonstruktion mit kreisrundem Querschnitt und nahm Triebwerk, Tank, funktechnische Ausrüstung, Bugradfahrwerk und Bewaffnung auf. Der Lufteinlauf war in ungewöhnlicher Weise unter dem Bauch des hinteren Rumpfabschnitts angebracht, um im Rumpf genügend Platz für Einbauten zu haben, der durch den Lufteinlaufkanal verloren gewesen wäre. Als Bewaffnung waren ursprünglich vier 30 mm Maschinenkanonen und vier 12,7 mm Maschinengewehre vorgesehen. Noch während der Entwurfsphase änderte man die Bewaffnung auf sechs 20 mm Maschinenkanonen um, da die 30 mm Maschinenkanonen DEFA noch nicht serienreif waren. Bereits Ende Mai 1946 erhielt SNCASE einen Auftrag über drei Prototypen, die bis Ende 1948 fertiggestellt werden sollten.
Sud-Ouest SO. 6020 Espadon (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Espadon
Die Kabine war als Druckkabine ausgelegt und war für den Einbau eines Schleudersitzes vorgesehen, der allerdings von der Firma Martin Baker aus Großbritannien beschafft werden musste, da es kein französisches Äquivalent gab und der deutsche Heinkel-Schleudersitz aus den erbeuteten He 162 und He 219 nicht den Vorstellungen der Armèe de l?Air entsprach. Die minimal gepfeilten zweiholmigen Tragflächen verfügten über ein symmetrisches Hochgeschwindigkeitsprofil geringer Höhe und waren mit Fowlerklappen versehen. Sie nahmen auch das hydraulisch bremsbare Hauptfahrwerk auf, das nach innen zum Rumpf hin eingefahren wurde. Das Leitwerk bestand aus einer ungepfeilten, trapezförmigen Seitenflosse. Die ebenfalls ungepfeilten, trapezförmigen Höhenflossen waren am Rumpfende angebracht. Alle Ruder waren aerodynamisch ausgeglichen und konnten im Fluge verstellt werden. Das um jeweils 15° lenkbare Bugrad fuhr nach hinten in den Rumpfboden ein.
Sud-Ouest SO. 6020 Espadon (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung und Einsatz der Espadon
Im Spätsommer 1948 war der noch unbewaffnete erste Prototyp mit der Kennzeichnung F-WFDI fertiggestellt und nach der umfangreichen Bodenerprobung fand am 12. November 1948 der Erstflug statt. Damit war die SO.6020, die inzwischen den Namen Espadon, zu Deutsch Schwertfisch, erhalten hatte, das erste in Frankreich gebaute strahlgetriebene Jagdflugzeug. Bei der Flugerprobung stellte sich heraus, dass der unter dem Rumpf befindliche Lufteinlauf, die denkbar ungünstigste Lösung darstellte, weil es beim Lufteintritt zu Verwirbelungen, die den Wirkungsgrad drastisch verschlechterten, kam. Außerdem bestand die Gefahr, dass Fremdkörper von der Startbahn angesaugt werden könnten. Trotz mehrfacher Veränderungen des Querschnittes und dem Anbringen verschiedener Leitbleche gelang es nicht, die Probleme zu lösen. Auch war die Maschine für das verwendete Rolls Royce Triebwerk zu schwer, so daß die erzielten Flugleistungen enttäuschten.
Sud-Ouest SO. 6020 Espadon (Archiv: Eberhard Kranz)
Die Espadon musste komplett umkonstruiert werden
Beim zweiten Prototypen SO.6020.02, der am 16. September 1949 mit der Kennzeichnung F-WEDV zu seinem Erstflug startete, hatte man die Problematik des Lufteinlaufs durch eine völlige Umkonstruktion, in dem jetzt zwei Lufteinläufe seitlich am Rumpf angebracht waren, zu lösen versucht. Gleichzeitig hatte man mit einer umfassenden Umkonstruktion der Maschine zur SO.6021 begonnen. Der dritte Prototyp SO.6020.003, auch als SO.6025 bezeichnet, der als taktischer Aufklärer ausgelegt war, folgte im Herbst 1949 und startete am 28. Dezember 1949 mit der Kennzeichnung F-WFRG zu seinem erfolgreichen Erstflug. Er hatte ebenfalls die seitlichen Lufteinläufe der SO.6020.02 (SO 6021) und verfügte unter dem Rumpf über ein zusätzliches Raketentriebwerk SEPT 25, das 1.500 kp Schub für 150 Sekunden abgab. Der Raketenmotor war aber keineswegs betriebssicher und versuchte manchmal kritische Situationen. Erst nach einer gründlichen Überarbeitung konnte das Triebwerk sicher eingesetzt werden Das gleiche Triebwerk baute man später an die SO.6020.02 an, die damit am 28. März 1953 erstmals flog. Die so umgerüstete Maschine wurde auch als SO.6026 bezeichnet. Nach Abschluss der umfangreichen Flugerprobungen war klar, dass die SO.6020 nicht in Serie gebaut werden würde. Die drei Prototypen wurden für verschiedene Waffenerprobungen verwendet, auch wurde der erste französische Schleudersitz eingebaut. Später, gegen Ende 1955, wurden die drei Maschinen verschrottet.
Sud-Ouest SO. 6020 Espadon (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Sud-Ouest SO. 6020 Espadon
Verwendung: Abfangjagdflugzeug
Triebwerk: ein TL-Triebwerk Rolls Royce ?Nene 102? (Lizenz Hispano Suiza)
Startleistung: 2.270 kp Schub (22,3 kN)
Dauerleistung: 2.080 kp Schub (20,4 kN) in 7.000 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 12. November 1948
Spannweite: 10,60 m
Länge: 15,00 m
größte Höhe: 4,72 m
Flügelfläche: 26,50 m²
Spurweite: 4,68 m
Pfeilung der Flügelkante: 20°
V-Form: 5,5°
Streckung: 4,24
Leermasse: 4.750 kg
Startmasse normal: 8.250 kg
Startmasse maximal: 9.410 kg
Tankinhalt: 2.240 Liter
Flächenbelastung: 355,10 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,15 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 967 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 6.500 m: 1.084 km/h
Marschgeschwindigkeit in 6.500 m: 900 km/h
Landegeschwindigkeit: 195 km/h
Gipfelhöhe: 11.500 m
Steigleistung: 31 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 34 sek
Steigzeit auf 10.000 m: 8,5 min
Reichweite normal: 1.000 km
Reichweite maximal: 1.500 km
Flugdauer: 1,5 h
Bewaffnung: sechs 20 mm Maschinenkanonen Hispano Suiza mit je 165 Schuss, sowie ungelenkte Raketen an acht Unterflügelstationen. Bombenlast: maximal 6000 kg.
Text Eberhard Kranz

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