Autor: ek

Nakajima Ki-43 Hayabusa

Nakajima Ki-43 Hayabusa
Entwicklungsgeschichte
Mitte der dreißiger Jahre begannen die japanischen Heeresflieger mit der Modernisierung ihrer Jagdflugzeuge. Die im Einsatz befindlichen Nakajima Ki-27 hatten sich in den Feldzügen in Korea und China bewährt, waren aber jetzt technisch ins Hintertreffen geraten und nach den Kämpfen mit sowjetischen i-16 in China wurde die Forderung nach einem modernen Ersatzmuster laut. Die dazu erlassene Spezifikation forderte von der zu entwickelnden Maschine eine Höchstgeschwindigkeit von 500 km/h, eine Steigzeit auf 5.000 m von 5 min, eine Reichweite von mindestens 800 km und eine Bewaffnung mit zwei 7,7 mm Maschinengewehren. Die Flugeigenschaften sollten mindestens denen der Ki-27 entsprechen. Dazu wurde erstmals kein Wettbewerb ausgeschrieben, sondern nur Nakajima beauftragt, ein entsprechendes Projekt einzureichen. Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen wurde Nakajima am 12. Dezember 1937 aufgefordert, sofort mit den Konstruktionsarbeiten zu beginnen. Unter der Leitung von Dr. Hideo Itokawa, der auch für die Entwicklung der Ki-27 verantwortlich zeichnete, entstand ein Tiefdecker in Ganzmetallbauweise, einziehbarem Fahrwerk und geschlossenem Pilotensitz. Der Tragflügel war einteilig ausgeführt und durch seine drei Holme sehr stabil. Das Höhenleitwerk war freitragend vor der Seitenflosse angebracht, um ein Flachtrudeln zu verhindern. Als Antrieb sollte der luftgekühlte 14 Zylinder Doppelsternmotor Nakajima Ha-25, der über eine Startleistung von 925 PS verfügte und bereits über einen einstufigen Turbolader verfügte, verwendet werden. Der Motor sollte einen Zweiblatt-Metall- Verstellpropeller antreiben. Innerhalb von einem Jahr entstand der erste Prototyp, die Ki-43.01, der am 12. Dezember 1938 aus der Werkhalle der Nakajimawerke in Ota rollte. Nach entsprechenden Bodentests absolvierte die Maschine am 7. Januar 1939 ihren Erstflug, der ohne Probleme verlief. Zwischen Februar und März 1939 folgten die Maschinen ki-43.02 und Ki-43.03, so dass die Erprobung zügig fortgesetzt werden konnte und bereits Staffelkapitäne der Heeresflieger daran teilnehmen konnten. Obwohl die Prototypen alle geforderten Leistungen erbrachten, waren die Heerespiloten mit der Maschine nicht zufrieden, besonders das Einziehfahrwerk und die geschlossene Kabinenhaube wurden als nutzlos bezeichnet. Auch an der Wendigkeit und Manövrierfähigkeit wurde starke Kritik geäußert und im Frühjahr 1939 schien das Schicksal der Ki-43 besiegelt, der Abbruch des Programms wurde gefordert. Die Führung der Heeresflieger bestand aber auf der Fortführung des Programms und Nakajima erhielt einen Auftrag über 10 Vorserienmaschinen Ki-43-KAL, die von November 1939 bis September 1940 gebaut wurden und wesentliche Neuerungen erhielten, so eine neue Rundumverglasung zur Verbesserung der Sicht und neue Schiebehauben. Die Bewaffnung wurde durch den Einbau von zwei 12,7 mm Maschinengewehren Ho-103 verstärkt und zur Verbesserung der Manövriereigenschaften wurden neuentwickelte Kampfklappen eingebaut, die auftriebserhöhend wirkten und engste Kurvenflüge erlaubten. Ab der Ki-43.12 wurden die Maschinen mit einem verbesserten Duralblech (Alclad) verkleidet. Die Kühlerklappen wurden regelbar gestaltet. All diese Neuerungen, einschließlich einer kompletten Überarbeitung von Rumpf, Leitwerk und Tragflächen, waren in der Ki-43.13, dem zehnten Vorserienmodell zusammengefasst, das als Ausgangsmodell für die Serienfertigung diente. Besonders die stark verbesserten Eigenschaften im Kurvenkampf waren ausschlaggebend für die Aufnahme der Serienfertigung, die dann ab April 1941 im Werk Ota anlief. Die Serienausführung Ki-43-Ia Hayabusa (deutsch Wanderfalke) hatte den 14 Zylinder Doppelsternmotor Nakajima Ha-25 mit 980 PS Startleistung, die Bewaffnung bestand allerdings wieder nur aus zwei 7,7 mm Maschinengewehren Typ 89 in der oberen Motorverkleidung. Unter den Tragflächen waren Aufnahmen zum Mitführen von zwei abwerfbaren 200 Liter Zusatztanks angebracht. Ab September 1941 wurden die 59. und die 64. Sentai mit der Ki-43-Ia ausgestattet, und beim Kriegsbeginn am 07.12.1941 verfügten beide Einheiten über je 40 Maschinen, die vorwiegend als Begleitschutz für die Bomberverbände bei Angriffen in Burma oder auf Hong Kong eingesetzt wurden. Dabei erwiesen sich die Ki-43-Ia den gegnerischen Jägern überlegen, nur die Bewaffnung stellte sich als zu schwach heraus. Als Kompromiss entstand die Serie Ki-43-Ib, ei der ein 7,7 mm Maschinengewehr Typ 89 durch ein 12,7 mm Maschinengewehr Ho-103 ersetzt wurde. Erst mit der Ki-43-Ic, die dann in großen Stückzahlen gebaut wurde, bis Anfang 1943 über 650 Stück, bestand die Bewaffnung aus zwei 12,7 mm Maschinengewehren Ho-103. Trotz ihrer schwachen Bewaffnung und der fehlenden Panzerung für Pilot und Kraftstofftank war die ?Hayabusa? in den ersten beiden Kriegsjahren auf dem pazifischen Kriegsschauplatz einer der gefürchtetsten Jäger, da die Maschine fast nach Belieben die gegnerischen Jagdflugzeuge auskurven konnte.
Weiterentwicklungen der Ki-43
Schon nach dem Anlaufen der Serienfertigung beschäftigte man sich bei Nakajima intensiv mit der Weiterentwicklung des Flugzeuges, die in einer verbesserten zweiten Serienversion münden sollte. So erprobte man den neuen 14 Zylinder Doppelsternmotor Nakajima Ha-115 Typ I, der über eine Startleistung von 1.150 PS verfügte und einen zweistufigen Lader besaß, in fünf Serienmaschinen Ki-43-Ia. Außerdem verwendete man einen verstellbaren Dreiblatt-Metall-Verstellpropeller.
Im Februar 1942 waren die Umbauten abgeschlossen und die Mustermaschinen der neuen Serie Ki-43-II nahmen die Flugerprobung auf. Im August 1942 baute man drei Vorserienexemplare, als Ki-43-IIKAI bezeichnet, die ebenfalls zur
Flugerprobung herangezogen wurden. Weitere Neuerungen waren der Einbau eines neuen Reflexvisiers, einer 13 mm dicken Rückenpanzerung für den Piloten und die Verwendung selbstdichtender Tanks. Nach umfangreicher Truppenerprobung wurde im Oktober 1942 die Serienfertigung bei Nakajima auf das neue Muster Ki-43-II umgestellt. Gleichzeitig begann man bei Tachikawa mit der Lizenzfertigung. Die neuen Maschinen ersetzten schnell die Ki-43-I, die an die Fliegerschulen abgeben wurden. Während der Fertigung entstanden die Ausführungen Ki-43-IIb, die sich durch die Verlegung des Ölkühlers unter den Rumpf unterschied und die Ki-43-IIc, die einige Änderungen aus fertigungs- technischen Gründen an Fahrwerk, Rumpf und Tragflächen erfuhr.
Ki-43 im Krieg
Obwohl die Ki-43-II ein hervorragendes, wendiges Jagdflugzeug war, konnte sie mit dem Auftauchen der neuen alliierten Muster wie Spitfire IX, P-38, P-47 und P-51, die schneller und wesentlich stärker bewaffnet waren, im Verlaufe des Krieges nicht mehr mithalten. Trotz dieser deutlichen Unterlegenheit wurde die ?Hayabusa? bis zum Kriegsende 1945 weiter in großer Serie gebaut. Im Mai 1944 erschien noch eine verbesserte Version Ki-43-IIIa, die den stärkeren Nakajima Ha-115-II Motor mit nun 1.230 PS Startleistung erhielt und damit eine Höchstgeschwindigkeit von 576 km/h erreichte. Bei Tachikawa baute man bis August 1945 noch 1.070 Ki-43-IIIa. Eine Ableitung als Abfangjäger gegen die viermotorigen amerikanischen Bomber, die Ki-43-IIIb, entstand noch in drei Exemplaren, wobei man die 12,7 mm Maschinengewehre Ho-103 gegen zwei 20 mm Maschinenkanonen Ho-5 getauscht hatte und den stärkeren Mitsubishi Ha-113 mit 1.300 PS Startleistung einbaute. Von der Ki-43 ?Hayabusa? wurden insgesamt 5.919 Exemplare aller Ausführungen gebaut, davon 2.631 bei Tachikawa. Die Maschinen wurden intensiv in China, Malaysia, den Philippinen und Neuguinea, aber auch bei der Heimatverteidigung über dem japanischen Mutterland eingesetzt. Schließlich wurden Ki-43 gegen Kriegsende auch für die selbstmörderischen Kamikazeeinsätze verwendet.
Selbst nach Kriegsende wurden Ki-43 weiter verwendet, so flogen indonesische Piloten im Unabhängigkeitskrieg gegen die holländischen Kolonialmacht mit erbeuteten ?Hayabusa? und die französischen Jagdgruppen ,Groupes de Chasse I/7 und II/7 flogen in Indochina damit Einsätze gegen die kommunistischen Rebellen.
Nakajima Ki-43 IIa Hayabusa (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Ki-43-IIa
Land: Japan
Verwendung: Jagdflugzeug und Jagdbomber
Triebwerk: 1 x luftgekühlter 14 Zylinder Doppelsternmotor Nakajima Ha-115-I mit zweistufigem Lader und Dreiblatt-Metall-Verstellpropeller
Startleistung: 1.150 PS (958 kW)
Dauerleistung: 990 PS (739 kW) in 5.500 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: 7. Januar 1939
Spannweite: 10,83 m
Länge: 8,93 m
größte Höhe: 3,27 m
Propellerdurchmesser: 2,80 m
Propellerfläche: 6,16 m²
Spurweite: 3,40 m
Flügelfläche: 21,42 m²
Flügelstreckung: 5,48
V-Form: 7,5°
Leermasse: 1.910 kg
Startmasse normal: 2.650 kg
Startmasse maximal: 2.925 kg
Nutzlast gesamt: 1.010 kg
Kraftstoff: 980 Liter
Schmierstoff: keine Angaben
Flächenbelastung: 136,55 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,54 kg/PS (3,41 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 492 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 533 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.500 m: 440 km/h
Landegeschwindigkeit: 110 km/h
Gipfelhöhe: 11.180 m
Steigleistung: 16,5 m/s
Steigzeit auf 1000 m: 1,1 min
Steigzeit auf 3000 m: 3,6 min
Steigzeit auf 5.000 m: 5,9 min
Reichweite normal: 1.400 km
Reichweite maximal: 3.200 km mit zwei 200 Liter Zusatztanks
Startstrecke: 255 m
Landestrecke: 300 m
Flugdauer: 3,25 h
Bewaffnung: zwei 12,7 mm Maschinengewehre Ho-103-I mit je 250 Schuß
Bombenlast: zwei 250 kg Bomben
Text und Technische Daten: Eberhard Kranz

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