Autor: ek

Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380)

Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380)
Mit der Verbesserung der Radartechnik und der Entwicklung immer stärkerer Strahltriebwerke ergaben sich Möglichkeiten, Flugzeuge auch bei sehr schlechten Wetterbedingungen einsetzen zu können. Dies wurde Anfang der 1950-iger Jahre vom Generalstab der Luftstreitkräfte für die Luftverteidigung aber auch für die Aufklärung als äußerst wichtig erachtet. Das OKB-155 unter der Leitung von A. I. Mikoyan hatte die beiden bekanntesten sowjetischen Nachkriegsjäger entwickelt, die MiG?15 und die MiG-17, von denen man versuchte, Allwetterausführungen abzuleiten. Dies konnte aber nur ein Provisorium bleiben. Anfang 1952 waren die meisten Arbeiten an der neuen MiG-19 abgeschlossen, die Erprobung lief auf Hochtouren. Auch von dieser neuen Maschine begann man mit der Ableitung einer Allwetterversion, der MiG-19 P, die aber auch nicht voll befriedigte, deshalb erhielt das OKB-155 am 8. Juli 1953 die Weisung des Ministerrates der UdSSR, ein neues allwettertaugliches Abfangjagdflugzeug zu entwickeln und dafür das neue Triebwerk Klimov WK-3 zu verwenden. Das Klimov WK-3 war das erste sowjetische Zweistromtriebwerk (ZTL) und verfügte serienmäßig über einen Nachbrenner. Erwartet wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 2.000 km/h. Die Bewaffnung sollte aus drei 30 mm Maschinenkanonen Nudelman NR-30 bestehen. Das erste Flugzeug I-3 sollte im ersten Quartal 1956 zur Flugerprobung übergeben werden. Im März 1954 war das Projekt in seinen Hauptzügen fertiggestellt und die zu erwartenden Leistungsdaten ermittelt.
Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380) (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380)
Bei der Auslegung hatte man sich stark an die MiG-19 angelehnt, besonders was Tragflächen, Leitwerk, Einbau der Bewaffnung und des Fahrwerks betraf. Der Rumpf war wegen des WK-3 eine totale Neukonstruktion. Mit den zur Verfügung stehenden Daten des WK-3, der Standschub war mit 5.160 kp, der Maximalschub mit 6.250 kp und der Schub mit Nachbrenner 8.400 kp angegeben worden, ermittelte man bei einer voraussichtlichen maximalen Startmasse der Maschine von 8.954 kg eine Höchstgeschwindigkeit von 1.274 km/h in Bodennähe und 1.775 km/h in 10.000 m Höhe. Mit diesen Leistungsdaten war man bei den Luftstreitkräften zufrieden und akzeptierte den Entwurf. Im OKB-155 begann man sich nun sehr intensiv mit den verschiedenen Ausrüstungs- und Bewaffnungsfragen zu beschäftigen. So sah man die Mitnahme von zwei Zusatztanks mit je 760 Litern Treibstoff an zwei Unterflügelstationen vor, um den Aktionsradius zu vergrößern. Die Panzerung der Kabine bestand aus einer 65 mm starken Panzerglasscheibe und einer 16 mm starken Kabinenhaube. Der Pilotensitz hatte einen 12 mm starken Rückenpanzer. Das Gewicht der gesamten vorgesehenen Panzerung betrug 87,5 kg. Die zwei Maschinenkanonen sah man in den Flügelwurzeln vor, die dritte in der linken unteren Rumpfseite. Jede der Waffen verfügte über 195 Schuss. Das automatische Feuerleitsystem ASP-5N war zusammen mit dem Radarsystem ?Radal-M? im Einlaufkegel im Rumpfbug untergebracht. Unter den Tragflächen konnten bis 16 ungelenkte Raketen ARS-57 oder zwei großkalibrige Lenkwaffen TRS-190 oder ARS-212 oder aber zwei 250 kg Splitterbomben mitgeführt werden.
Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380) (Archiv: Eberhard Kranz)
Die Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380) wurde nie geflogen
Im Herbst 1955 war die I-3 fertig gestellt, nur das Triebwerk WK-3 ließ auf sich warten. Das Triebwerk WK-3 wurde übrigens nie betriebssicher und kurze Zeit später beendete man das gesamte Programm. Die I-3 ist somit nie geflogen. Neben der Ausführung des Frontjägers I-3 wurde ab 1954 parallel der Allwetterabfangjäger I-3P oder I-410 entwickelt, wo man wegen der zusätzlichen Allwetterradarsysteme ?Almaz? und ?Izumrud? die im Rumpf eingebaute Kanone entfallen lassen musste. Die I-3P sollte bereits im Mai 1955 zur Flugerprobung gehen und am 1. Januar 1955 meldete man an das Zentralkomitee der KPdSU, das die Konstruktion zu 90,5 Prozent abgeschlossen sei und der Bauzustand bereits 41,8 Prozent betrage. Im Juni 1955 war die Maschine bis auf das fehlende Triebwerk fertig gestellt. Der letzte Beschluss des Ministerrats datiert vom 28. März 1956 und sieht die Verwendung des Triebwerks Ljulka AL-7F und die Verwendung des Gegenkurs-Abfang-Systems ?Uragan-1? vor. Aber auch diese Weisung wurde nicht mehr realisiert, auch die I-3P erhob sich nie in die Luft. Später wurden beide Maschinen verschrottet.
Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Mikoyan-Gurevich I-3 (I-380)
Land: Russland
Verwendung: Allwetter-Abfangjagdflugzeug
Triebwerk: ein ZTL-Triebwerk Klimov WK-3 mit Nachbrenner
Startleistung: 5.160 kp Schub (50,6 kN)
Dauerleistung: 4.980 kp Schub (48,9 kN) in 10.000 m
Maximalleistung: 8.400 kp Schub (82,4 kN) in 10.000 m mit Nachbrenner
Erstflug: erfolgte nie
Besatzung: 1 Mann
Spannweite: 8,99 m
Länge: 14,83 m
größte Höhe: 3,89 m
Spurweite: 4,38 m
Flügelfläche: 30,00 m²
Pfeilung der Flügelkante: 62,5°
V-Form: -4°
Streckung: 2,69
Massen: xxx
Leermasse: 5.485 kg
Startmasse normal: 6.990 kg
Startmasse maximal: 7.600 kg
Tankinhalt: 1.960 Liter + zwei 710 Liter Zusatztanks unter den Tragflächen möglich
Flächenbelastung: 253,33 kg/m²
Leistungsbelastung: 1,47 kg/kp Schub
Leistungen errechnet: xxx
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 1.274 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 10.000 m: 1.775 km/h
Marschgeschwindigkeit in 10.000 m: 1.000 km/h
Landegeschwindigkeit: 200 km/h
Gipfelhöhe: 18.800 m
Steigleistung: 180 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 6 s
Steigzeit auf 10.000 m: 1,25 min
Steigzeit auf 18.800 m: 3,0 min
Reichweite normal: 1.620 km
Reichweite maximal: 2.680 km
Flugdauer: 2,75 h
Bewaffnung: drei 30 mm Maschinenkanonen Nudelman NR-30 mit je 195 Schuss, sowie gelenkte und ungelenkte Luft-Luft Raketen
Bombenlast: maximal 500 kg
Text: Eberhard Kranz

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