Autor: ek

Ikarus IK-2

Ikarus IK-2
Anfangs der dreißiger Jahre verwendeten die jugoslawischen Luftstreitkräfte die Doppeldecker-Jagdflugzeuge Avia BH-33, die in Lizenz bei Ikarus gebaut wurden. Des weiteren verfügte man über sechs importierte Hawker ?Fury? und die Firma Zmaj baute ebenfalls die Jäger Gourdou-Leseurre B.3 und Dewoitine D.27 in kleiner Serie in Lizenz. Eine Gruppe junger Konstrukteure der Ikarus Flugzeugwerke schlug vor, einen eigenen modernen Jäger zu entwerfen und zu bauen. Dadurch wollte man von teuren Importen und Lizenzgebühren loskommen und gleichzeitig dem Ausland zeigen, dass man auch in Jugoslawien moderne Flugzeuge bauen konnte. Unter der Leitung von Kosta Sivĉev und Ljubomir Ilic, die beide jahrelang in der französischen Luftfahrtindustrie beziehungsweise Luftfahrtforschung bei Dewoitine tätig gewesen waren, entwickelte man das Projekt eines modernen Jagdflugzeuges.
Ikarus IK-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der Ikarus IK-2
Die Maschine war in Ganzmetallbauweise als einmotoriger Einsitzer in Hochdeckerauslegung mit festem Heckradfahrwerk und Normalleitwerk ausgelegt und lehnte sich äußerlich an die in Polen gebauten Jagdflugzeuge PZL P.7, P.11 und P.24 an, die mit Hochdeckerauslegung mit einem Knickflügel und einem starken Sternmotor in den dreißiger Jahren als sehr modern und leistungsstark galten. Der Rumpf wurde als ein mit Dural verkleidetes Stahlrohrgerüst ausgeführt. Die Kabine war hinter den Tragflügelanschluss gesetzt und voll verglast. Der zweiholmige Tragflügel, als Puławski-Flügel ausgelegt, war ebenfalls mit Duralblech verkleidet und gegen den Rumpf mit je zwei I-Stielen abgestrebt. Das Höhenleitwerk wurde durch zwei I-Streben zum Rumpf hin abgefangen. Der Kühler befand sich als großer Bauchkühler unter dem Mittelrumpf. Das feste Fahrwerk hatte aerodynamische Radverkleidungen und war gegen den Rumpf und den vorderen I-Stiel der Tragfläche abgestrebt. Als Motor kam der in Lizenz gefertigte Hispano-Suiza 12 Ycrs zur Verwendung. Die Bewaffnung sollte aus einer 20 mm Motorkanone und zwei 7,92 mm Maschinengewehren bestehen.
Ikarus IK-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der Ikarus IK-2
1934 erteilte man einen Bauauftrag über einen Prototypen IK-L1, der Ende 1934 fertig gestellt war und an die Luftstreitkräfte übergeben werden konnte. Der Erstflug fand dann am 22. März 1935 statt und die Flugerprobung leitete Kapitän Leonid Baidak auf dem Erprobungsgelände in Zemun. Beim dritten Testflug verlor er die Kontrolle über die Maschine und mußte mit dem Fallschirm abspringen. Bei der folgenden Auswertung vertrat er die Meinung, daß die Maschine in ihrer Eindeckerauslegung als Jagdflugzeug ungeeignet sei. Schließlich wurde doch ein zweiter Prototyp mit der Bezeichnung IK-02 in Auftrag gegeben, der im Juni 1936 fertig gestellt war. Um die Eignung der Maschine als Jagdflugzeug endgültig zu überprüfen, wurde ein Luftkampf mit einer Hawker ?Fury? durchgeführt, die pikanterweise vom Kapitän Leonid Baidak geflogen wurde. Der Luftkampf zeigte die deutliche Überlegenheit der IK-02 in allen Belangen. Nach Beendigung der Flugerprobung bestellten die jugoslawischen Luftstreitkräfte 12 Maschinen, die nun die offizielle Bezeichnung IK-2 erhielten und im Laufe des Jahres 1937 ausgeliefert wurden. Beim deutschen Angriff im April 1941 waren noch acht IK-2, die die 34. Schwadron des vierten Jagdregiments zusammen mit sechs Hawker Hurricane bildeten, vorhanden. In verlustreichen Kämpfen wurden die IK-2 gegen vorrückende Panzereinheiten eingesetzt. Die nach der Kapitulation noch vorhandenen drei Exemplare wurden von der kroatischen Luftwaffe übernommen. Die IK-2 bildete auch den Ausgangspunkt für die IK-4, einen zweisitzigen Nahaufklärer. Die jugoslawischen Luftstreitkräfte entschieden sich aber schließlich für den Ankauf der deutschen Henschel Hs 126 und so blieb die IK-4 nur ein Projekt.
Ikarus IK-2 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Ikarus IK-2
Land: ehemaliges Jugoslawien
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: ein flüssigkeitsgekühlter 12 Zylinder Reihenmotor Hispano-Suiza 12Ycrs mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller Ratier Startleistung: 860 PS (634 kW)
Dauerleistung: 780 PS (575 kW) in 4.000 m
Besatzung:1 Mann
Erstflug: 22. März 1935
Spannweite: 11,40 m
Länge: 7,88 m
größte Höhe: 3,84 m
Propellerfläche: 7,07 m²
Spurweite: 2,85 m
Flügelfläche: 18,00 m²
V-Form: Flügelwurzel 8° Außenflügel ?3°
Streckung: 7,22
Leermasse: 1.505 kg
Startmasse normal: 1.910 kg
Startmasse maximal: 2.060 kg
Tankinhalt: 360 Liter
Flächenbelastung: 114,44 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,40 kg/PS (3,26 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 389 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 435 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 412 km/h
Landegeschwindigkeit: 120 km/h
Gipfelhöhe: 10.500 m
Steigleistung: 11,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,66 min
Steigzeit auf 4.000 m: 8,0 min
Reichweite normal: 400 km
Reichweite maximal: 500 km im Sparflug
Flugdauer: 1,5 h
Bewaffnung: eine 20 mm Maschinenkanone Hispano Suiza HS 404 durch die hohle Propellerwelle feuernd mit 60 Schuss und zwei 7,92 mm Maschinengewehre Darne mit 550 Schuss
Bombenlast normal: 700 kg
Text: Eberhard Kranz

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